Musiktheater in Münster
Es soll großes Zaubertheater werden

Münster -

Knusper, knusper Knäuschen. Kinderkram. Und wenn schon. Engelbert Humperdinck macht eine große Oper daraus. Für Große oder für Kleine? Für An­dreas Beuermann keine Frage. Erstens für ihn persönlich: Schließlich war „Hänsel und Gretel“ für den damals Achtjährigen die erste Opernerfahrung. Und zweitens: „Es wird spannend für alle, weil es ein großes Zaubertheater ist.“ Damit gibt der Regisseur schon die Richtung vor, die seine Inszenierung für das Große Haus am Theater Münster haben wird: „Ich will die Zuschauer verblüffen.“

Donnerstag, 15.10.2015, 18:10 Uhr

Im Wald haben Hänsel (Lisa Wedekind) und Gretel (Eva Bauchmüller) ihre Nachtruhe gefunden.
Im Wald haben Hänsel (Lisa Wedekind) und Gretel (Eva Bauchmüller) ihre Nachtruhe gefunden. Foto: Oliver Berg

Bei einem solchen Blockbuster-Vorhaben sind Kostüm- und Bühnenbildner gefordert. Das hängt auch mit dem gravierendsten Regie-Einfall zusammen: der Traumpantomime am Ende des ersten Aktes. Das Sandmännchen kommt, 14 Engel steigen über eine goldene Leiter vom Himmel herab und schützen das Geschwisterpaar. So steht es im Libretto, das die Schwester des Komponisten geschrieben hat (ein Geburtstaggeschenk, aus der eine der beliebtesten Opern des Repertoires geworden ist).

Beuermann nimmt es weniger religiös: „Für uns ist schöner, wenn der Wald, der den beiden Angst gemacht, sich verwandelt.“ Dank der Schüler vom Paulinum und der Westfälischen Schule für Musik werden Bäume, Blüten und Fliegenpilze lebendig, und eine Moosdecke wird zum Schutzmantel. Hier sind die Kostümbildner gefragt: „Wann hat man schon mal einen Tannenbaum entworfen?“ Das Bühnenbild geht vom Scherenschnitt aus. Das Elternhaus werden drei schwarze Wände sein. Und der Wald soll durch fast unmerkliche Videos dreidimensional wirken. Da flattert auch schon mal ein „Schwarm“ Schmetterlinge durch das Bild. Großes Zaubertheater eben. Und die Hexe, die wird fliegen. Beuermann: „Wie wir das machen, bleibt ein Geheimnis.“

Apropos Hexe. Die Partie wird ein Tenor singen: Boris Leisenheimer. Warum? Beuermann: „Er ist neu im Ensemble, hat eine Vielfalt an Charakterisierungsmöglichkeiten, und: Er hat die Hexe schon mal gesungen.“

Ob Humperdincks Oper nun auch kindgerecht ist? Auf der einen Seite gibt es viele Kinderlieder („Ein Männlein steht im Walde“, „Brüderchen komm tanz mit mir“); auf der anderen Seite satter Wagner-Sound. Eine böse Stiefmutter gibt es bei Humperdinck ebenfalls nicht. Doch hier ist die Oper sogar realistischer. Eine überforderte Mutter jagt in Rage die Kinder aus dem Haus und bereut es. Die Erwachsenen dürfen dann erleben, wie es Kindern in Angst ergeht. Die befreien am Ende Gleichalterige mit ähnlichem Schicksal. Happy End für die ganze Familie.

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Restkarten für die Premiere am Samstag (17. Oktober) um 19.30 Uhr im Großen Haus gibt es an der Theaterkasse: ✆ 5909100. Die Nächste Aufführung ist am Freitag (23. Oktober).

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