Der Kugel-Brunnen von Joachim Berthold an der Petrikirche
Die Welt ist ein Fisch

Münster -

Es steht ein Brunnen in der Gegend herum. Hier plätschert seit Langem nichts mehr. Und sein Bezugspunkt ist ihm auch abhanden gekommen. Der Kugel-Fisch-Brunnen von Joachim Berthold hinter der Petrikirche wirkt ein wenig verloren, als sei er aus der Zeit gefallen. Im Grunde deplatziert. Vor 25 Jahren ist der Künstler im bayrischen Oberaudorf, der Heimat seines Vaters, gestorben.

Donnerstag, 22.10.2015, 17:10 Uhr

Die Geodaten geben einen kleinen Hinweis, worauf sich der Kugel-Fisch-Brunnen ursprünglich bezog: auf das Gebäude der Geowissenschaften direkt gegenüber.
Die Geodaten geben einen kleinen Hinweis, worauf sich der Kugel-Fisch-Brunnen ursprünglich bezog: auf das Gebäude der Geowissenschaften direkt gegenüber. Foto: Gerhard H. Kock

Sein Brunnen an der Johannisstraße war ursprünglich auf die Geowissenschaften bezogen, die 1962 noch in dem Gebäude residierten. Ein weißer Keil gibt im „Globalen Positionsbestimmungssystem“ die GPS-Koordinaten an: „51° 57‘ 46“. Und die Skulptur befindet sich 56 Meter über Normalnull. Das hat mit der Kunst selbst wenig zu tun, aber eben mit der Wissenschaft, auf die es sich bezog.

Immerhin hat Berthold seinem Brunnen eine runde Form gegeben. Dass seine Mutter eine geborene Kugel gewesen ist, dürfte eher ein kalauernder Zufall sein. Entworfen hat er den Brunnen wohl für das Ludwig-Gymnasium in München . In Münster passt er als Globus. Die Strukturen auf der Fläche, auf der die Bronze steht, können als Globusraster gelesen werden. Ein Fisch wird immer gerne als speiende Brunnenfigur genommen. Berthold bildet hier aber keinen Kugelfisch ab, sondern bildet die Kugel aus zwei Fischen. Vor Jahrzehnten spuckten sie mal Wasser.

Joachim Berthold (1917-1990) ist im künstlerischen Milieu aufgewachsen. Sein Vater Karl war Goldschmied, seine Mutter Maria Malerin. Seine Frau Gisela Sames war ebenfalls künstlerisch tätig als Malerin. Seine große Zeit begann in den 60er Jahre, als er innerhalb weniger Jahre Einzelausstellungen in namhaften Museen und städtischen Galerien Deutschlands hatte, so unter anderem im Lenbachhaus München. Es folgten viele Ausstellungen in Antwerpen, Paris, den USA und Kanada. Seine bekanntesten Arbeiten sind die „Menschenmauern“, in denen sich der Mensch als Einzelwesen in einer Masse verliert.

In einem Brief an den Sohn eines amerikanischen Freundes schrieb Berthold: „. . . dass die Künste für Dich zu einer Bereicherung Deines Lebens werden. Nur ihnen, vor allem der Skulptur, ist es möglich, dem Augenblick Dauer zu verleihen.“ Sein Fisch-Kugel-Brunnen ist geblieben, die Welt drum herum aber hat sich vollständig verändert.

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