Franz Rudolf Knubel entwickelte Bausteinsystem / Bei den Sportwissenschaftlern steht „Faber“
Provokation der Technologen

Münster -

Heute wirkt die Säule von 1971 ein bisschen verloren im Innenhof der Sportwissenschaftler an der Fliednerstraße. Dabei ist „Faber“ von Franz Rudolf Knubel die Erinnerung an ein totales Gesamtkunstwerk. Denn in dem Bau der ehemaligen Pädagogischen Hochschule sollten sich Architektur und Kunst zu einer ästhetischen Einheit integrieren: „Environmental-design“. Viel Kopf ist nötig für eine sinnliche Anschauung.

Samstag, 17.10.2015, 12:10 Uhr

Gesamtkunstwerk aus Architektur und Kunst. Bei den Sportwissenschaftlern findet sich die fünf Meter hohe Würfel-Säule von Franz Rudolf Knubel.
Gesamtkunstwerk aus Architektur und Kunst. Bei den Sportwissenschaftlern findet sich die fünf Meter hohe Würfel-Säule von Franz Rudolf Knubel. Foto: Gerhard H. Kock

Das graue „Männlein“ steht fast verloren im „Walde“. Dabei soll in diesem Komplex die „totale Einheit von Architektur und Kunst in einer Intention“ zu sehen sein, „wie sie nur große historische Kunstrichtungen – Gotik, Barock – gekannt haben“, schrieb der Münsterische Stadtanzeiger am 18. Oktober 1969. Der Architekt Heinz Esser , der Maler Bernd Damke und eben der Bildhauer Franz Rudolf Knubel waren hier am Werk. Das Epochale dieses Entwurfes ist im Laufe der Zeit wohl in Vergessenheit geraten.

Knubel sagte in einem Interview mit den Westfälischen Nachrichten am 13. September 1969 über sich, er sei „ein totaler Klassizist, der mit ganz strengen Kanones arbeitet“. Er sehe seine Plastiken als „ Provokation der Technologen“ an. Wobei der gebürtige Münsteraner unter Provokation versteht, „den Leuten die Sachen so vorzusetzen, dass sie nicht daran vorbeigehen können“.

Die „Provokation“ hält sich beim „Faber“ der Sportwissenschaftler heute in Grenzen. Was auch an der theorieschweren Verkopfung dieser Kunst liegt. Wie viele Variationsmöglichkeiten gibt es bei simplen Formen? Das ist die Herausforderung, die sich Knubel selbst gesetzt hat. Sein Ausgangspunkt ist der Würfel. Zwei von dessen Seitenflächen schneidet er gleichsam mit einer Diagonalen als Dreiviertelkreis ein und entfernt die entstehende Ecke. Aus dieser geometrischen Konstruktion entwickelte Knubel ein Bausteinsystem aus zehn Elementen und spielte dessen gestalterische Möglichkeiten durch.

Bis Ende der 60er Jahre fertigte Knubel Kuben- und Würfel-Variationen aus Polyester mit den Farben Rot und Blau. Er änderte seinen Stil aus zwei Gründen: Erstens zeigte das Material Kunststoff nicht die gewünschte Flächenstabilität. Der zweite Grund war nicht technischer Natur: Seiner Meinung nach bekamen die Leute zu großen Gefallen an den Stelen, sie fanden sie einfach „zu“ schön. In Münster gibt es sowohl seine bunte Plastik- als auch seine graue Metall-Säulenkunst zu sehen. Im Innenhof des Landeszentrums für Gesundheit NRW an der Von-Stauffenberg-Straße steht die farbige „Tuber ABL/68“. Bei den Sportwissenschaftlern an der Fliednerstraße die metallige „Faber“.

Beim fünf Meter hohen „Faber (objet chercé)“ handelt es sich um fünf Würfel. Oben und unten sind zwei vollständig, dazwischen drei eliptoid angeschnitten. Knubel kombiniert hier seine selbst entwickelten Bausteine nach einem additiven Prinzip und versetzt die Module gegeneinander, um einen Rhythmus zu erzeugen. Die Säule wurde als „polarisierendes Element“ auf diesen Platz gestellt. In der Senke befinden sich auch „Sitzwürfel aus Beton“ von Hans Kleyer (Jahrgang 1935), der sein Objekt damals nicht als „Kunst“ verstanden wissen wollte. Säule und Senke und Betonwürfel sollten den Studierenden ein Forum für Diskussionen bieten . . .

Offensichtlich wurde die moderne Kunst in den 70er Jahren arg diskutiert. So zeigte diese Zeitung 1970 ein Foto, auf dem das Landois-Denkmal und die Knubel-Säule auf dem Rathausinnenhof standen. Die Bürger sollten darüber abstimmen, welche von beiden dort aufgestellt werden soll. Bekanntlich steht Landois heute im Zoo und Knubel an der Fliednerstraße. Was wohl auch daran liegt, dass der Aufruf am 1. April in der Zeitung statt.

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