Lyrik-Performance von MA.KE und Rue Obscure im Pumpenhaus
Glück im Angesicht des Todes

Münster -

Liebe und Abschied sind Themen der Performance „So kiss me goodbye now“, die Theater „MA.KE“ unter der Regie von Manfred Kerklau in Kooperation mit „Rue Obscure“ (Rauminstallation) im Saal des Pumpenhauses bringt.

Samstag, 14.11.2015, 20:11 Uhr

Eine Ex-Ballerina (Katrin Heinrich) richtet sich an ihre kaputten Zehen.
Eine Ex-Ballerina (Katrin Heinrich) richtet sich an ihre kaputten Zehen. Foto: Ralf Emmerich

„Manchmal fällt es mir schwer zu glauben, dass ich meinen ersten Mann geliebt haben muss. Was ist aus der Liebe geworden?“, fragt eine Frau. Sie lehnt an der Theke des Pumpenhauses . Spätestens mit dem Tod eines Menschen ende die Liebe. Da ist sie sich sicher und leitet ihr Publikum in den Theaterraum. Der vermittelt ein wunderbar gegenteiliges Bild.

Ein Kornfeld ist auf die Bühnenwand projiziert, daneben eine Installation mit Ähren unter einem Gaze-Himmel. Auf dem Boden ist ein Gedicht von Schriftstellerin Tess Gallagher abgebildet, in dem sie beschreibt, wie sie von ihrem toten Ehemann Abschied nimmt. Traurig und schön zugleich wirken diese Zeilen, scheint sich das Paar doch selbst noch im Tod nah zu sein.

Liebe und Abschied sind Themen der Performance „So kiss me goodbye now“, die „MA.KE“ unter der Regie von Manfred Kerklau in Kooperation mit „Rue Obscure“ ( Rauminstallation ) im Saal des Pumpenhauses bringt. Mit drei Schauspielern und Schlagzeuger Hirzel Hirzelsen ist eine 45-minütige, sensible Mischung aus Schauspiel, Installation und Musik gelungen, die inspiriert ist vom Leben und Werk des US-amerikanischen Schriftstellers Raymond Carver .

Den Tod vor Augen, schrieb Gallaghers Geliebter in den 1980-er Jahren eindringliche Gedichte („Ein neuer Pfad zum Wasserfall“). Zehn dieser Texte sind in dem Stück verarbeitet und finden auf unterschiedlichste Weise ihren Weg zum Publikum. Kerklau lässt die Lyrik flüstern, pinnt sie an eine Wand, projiziert oder malt sie auf den Boden der Bühne, die aus diversen kleinen, atmosphärisch dichten Räumen besteht. Mal erkundet das Publikum das Terrain, mal sind Szenen zu sehen. Beate Reker und Carsten Bender schlüpfen in die Rolle von Gallagher und Carver, wenn sie in einem mit Plastik verhängten Glaskasten sitzen und davon sprechen, dass sie – das Ende des Mannes vor Augen – in Reno (Nevada) heiraten. Kurzes Glück, das zerplatzt wie die Seifenblasen, die zeitgleich durch den Raum fliegen.

In einer Umkleide richtet eine Ex-Ballerina (Katrin Heinrich) einen skurrilen Monolog an ihre kaputten Zehen („Diese Langweiler, die sich nur mit Müh und Not an die alten Zeiten erinnern“). In surreal-stiller Winterwelt erneuert ein Gatte sein Treueversprechen, bis ein lebenshungriger Schrei wieder zurück ins Leben führt: „Geh raus und spiel. Mach was draus.“

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Infos und Karten: ✆ 23 34 43.

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