Premiere: Amateurbühne Münster-Ost führt „Nils Holgersson“ auf
Herrlich verpeilte Bösewichte

Münster -

Auch über einhundert Jahre nach ihrem Erscheinen hat Selma Lagerlöfs Geschichte von der „Wunderbaren Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Im Gegenteil: Ihr moralischer Appell ist aktueller und dringlicher denn je. Die Amateurbühne Münster-Ost unterstrich dies mit einer subtilen, märchenhaft schönen Inszenierung am Samstagnachmittag im Pfarrer-Eltrop-Heim an der Wolbecker Straße.

Sonntag, 15.11.2015, 17:11 Uhr

Nils Holgersson (Sören Möllers) findet sich, auf Däumlingsgröße geschrumpft, unter den Tieren wieder.
Nils Holgersson (Sören Möllers) findet sich, auf Däumlingsgröße geschrumpft, unter den Tieren wieder. Foto: Wolfgang Müller

So klein, zumindest körperlich, ist Nils Holgersson indes anfangs gar nicht. Immerhin schon 14 Jahre ist er alt und von der Pubertät gebeutelt. Ein antriebsarmer, nickeliger Charakter, der gern die Tiere auf dem elterlichen Hof ärgert. Als er sich dort mit einem Wichtelmännchen anlegt, zieht er den Kürzeren: Der Hausgeist schrumpft Nils auf Däumlingsgröße. Verzweifelt wendet er sich an die Opfer seiner Streiche. Doch nur in Hausgans Martin , der er hilft, sich einen Traum zu erfüllen und dem Zug der Wildgänse anzuschließen, findet Nils Holgersson einen Verbündeten.

Schon seit den 1960er Jahren führt Deutschlands ältestes aktives Amateurtheater immer auch ein Stück für Kinder im Jahresprogramm. Mit Claus Martins „Nils Holgersson“, das Lagerlöfs Vorlage pointiert aufbereitet, haben Regisseurin Sabine Lauel sowie ihre Assistentinnen Jennifer Koban und Anne Linneborn-Sasse sich ein Stück geangelt, dessen frische Natürlichkeit die vielen kleinen und großen Darsteller des Ensembles regelrecht beflügelt.

In der flatterigen und wuscheligen Welt der Tiere zieht Sören Möllers in der Rolle des Nils charmant und pfiffig die Strippen für ein friedliches Miteinander. Katharina Vinnenberg als Fuchs Smirre und Christine John als Dachs Trulle bringen mit großem komödiantischen Talent herrlich verpeilte Bösewichte auf die Bühne. Gegen Nils’ Schläue und den Zusammenhalt der Tiere müssen die Räuber klein beigeben – und ihre Diät auf Vogelfutter umstellen.

Unter dem Eindruck der Terrorakte von Paris und der anhaltenden Diskussion über die Asylpolitik hatten die Theatermacher überlegt, der Aufführung einige tröstende wie mahnende Worte voranzuschicken. Sie taten es nicht. Ihr großartiges Stück über Empathie, Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Verantwortung sagte mehr als jede Ansprache.

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Weitere Aufführungen am 21., 22. und 28. November sowie am 5., 6., 12., 13. und 19. Dezember, jeweils um 15 Uhr im Pfarrer-Eltrop-Heim an der Wolbecker Straße 121 a.

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