Kulturvermittlung für Flüchtlinge im Kleinen Bühnenboden
Syrer schunkeln gegen Schmerz

Münster -

Das Kammertheater Kleiner Bühnenboden bereitet Flüchtlingen „A very warm welcome to Münster!“. Jeden dritten Donnerstag im Monat sind Flüchtlinge eingeladen, deutsche Kultur kennenzulernen.

Samstag, 21.11.2015, 14:11 Uhr

Party:  Die „Blosewinds“ kommen bei syrischen Flüchtlingen an. Gemeinsam wird geschunkelt und getanzt.
Party:  Die „Blosewinds“ kommen bei syrischen Flüchtlingen an. Gemeinsam wird geschunkelt und getanzt. Foto: pesa

„Wer braucht die Nordsee, die stinkt nach Fisch? Der Aasee ist der schönste See der Welt!“: Mit stimmungsvollen Shantys auf Englisch und Deutsch begrüßte das Trio „Blosewinds“ am Donnerstag rund 50 Flüchtlinge von der Gutenbergstraße im Kleinen Bühnenboden. Unter dem Motto „My Place is your Place“ will das Theater an jedem dritten Donnerstag im Monat Flüchtlingen „A very warm welcome to Münster!“ bereiten.

Die Premiere mit „Blosewinds“ ist ein voller Erfolg. Schon nach nur einem Lied schunkeln die syrischen Zuschauer im Alter zwischen einem und 50 Jahren freudig mit – kein Wunder: Die maritime Lebensfreude der drei stimmgewaltigen „Blosewinds“ funktioniert über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg. Guido Kolk, Detlef Sult und Marcel Langenohl vermischen an Schifferklavier, Gitarre, Ukulele, Melodica oder am Schlagzeug bekannte Seemannslieder mit Reggae, Folk-Pop, Rock, Comedy und sogar James Last („Biscaya“). Mit ausgefeilten Mitmach-Choreographien zu den wichtigsten Seemanns-Handgriffen, umarrangierten Partysounds („Aloah Heh“ im Karibik-Style / „Drunken Sailor“ als Ska), aber auch feinen Balladen bauen sie (Landungs)brücken zum syrischen Publikum. Sprachunterricht inklusive. „Kennt Ihr Meerjungfrauen?“ Großes Schweigen. Erst als das Stichwort „Arielle“ fällt (aus dem Disney-Film) wissen alle Bescheid. Der 22-jährige Mohamed Fares schlüpft spontan in die Rolle der Meerjungfrau, fühlt sich unter der bunten Perücke pudelwohl. Überall werden Smartphones gezückt. Der 35-jährige Adams ahmt die für ihn zuvor unbekannte Musik melodisch mit seinen Händen nach: „Das ist schön.“ Für den syrischen Künstler Fouad Kayalie ist der Willkommensabend eine sehr gute Idee: „I forget my pain.“ Kayalie plant im Bühnenboden eine eigene Brecht-Aufführung. Sehr zur Freude von Konrad Haller und Alice Mortsch: „In den nächsten fünf bis sieben Monaten können Flüchtlingen hier auch selbst aktiv werden.“ Mit einem Mix aus „Maʿa s-salamah“ („Tschüss“ auf arabisch) und „Ahoi Münster“ verabschiedeten sich Musiker und Flüchtlinge bei der Premiere wie gute Freunde.

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Nächste Veranstaltungen: 17. Dezember und 21. Januar um 20 Uhr in der Schillerstraße 48a.

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