„Stephen Rappaport“-Festival im Pumpenhaus gestartet
Fantasien eines flatterhaften männlichen Ichs

Münster -

Der schwedische Allround-Künstler Stephen Rappaport startete mit seinem Solo „Museum of Contemporary Art“ das Festival im Pumpenhaus.

Dienstag, 12.01.2016, 09:01 Uhr

Der Schwede Stephen Rappaport brachte männliche Beziehungswünsche unter vollem Körpereinsatz auf die Bühne.
Der Schwede Stephen Rappaport brachte männliche Beziehungswünsche unter vollem Körpereinsatz auf die Bühne. Foto: jas

Andere Männer gehen ins Kino, wenn sie sich zum ersten Mal mit einer Frau verabreden. Stephen Rappaport ist das zu banal. Für ihn muss es das „Museum of Contemporary Art“ sein. Und so heißt auch sein furioses Solo, das er am Sonntag im Pumpenhaus aufführte. In der Welt der Kunst lebt der Mann seine amourösen Fantasien aus und durchläuft dabei alle Bewusstseinszustände vom Erhabenen bis hinunter in die Niederungen des Verdauungstrakts.

Es ist eine Art lyrisches Ich, das sich Rappaport in seinem Monodrama auf den Leib geschneidert hat. Und dieses Ich erweist sich als äußerst flatterhaft in seinen Gedanken und Empfindungen. Schnell überträgt sich die Intensität, die die Welt der Kunst ausstrahlt, auf die Gefühle, die der Protagonist für die Frau mit den großen Brüsten hegt. Der 64-Jährige träumt von einer Umarmung, die beide zu einem Kunstwerk verschmelzen lässt. Mit genussvoll geschlossenen Augen steht er da wie eine Skulptur – bis er plötzlich merkt, dass er aufs Klo muss.

Derartige Wechselbäder bestimmen auch den Rest der englischsprachigen Aufführung. Sie führen den Menschen als ein Wesen vor, dem es nur notdürftig gelingt, sich im Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Ideal einzurichten. Dabei legt Rappaport eine beachtliche Ausdrucksfähigkeit an den Tag. Mit beweglicher Mimik und Gestik steigert er sich in seine Fantasien hinein, nestelt nervös an Krawatte und Hosenbund und kugelt verzückt über die Bühne, wenn er sich ausmalt, wie seine männliche Erscheinung sexuelle Wünsche bei seiner Begleiterin weckt.

Natürlich will er sie irgendwann heiraten. Die Trauung soll kein Geringerer als der Dalai Lama vornehmen. Doch auch dieser Traum zerplatzt, als er merkt, dass seine Auserwählte zu groß für ihn ist. So groß, dass das Blut in ihren Adern das Hirn nicht mehr erreicht, wie er erklärt. Und damit endet die einstündige Aufführung. Der Stein liegt wieder im Tal, und Sisyphos bereitet sich auf den nächsten Aufstieg vor.

Im Anschluss an seinen beeindruckenden Auftritt als Schauspieler sang Rappaport einige melancholischen Balladen, die als Einstimmung für das Konzert dienten, das er zusammen mit seiner Band am Samstag (16. Januar) um 20 Uhr im Pumpenhaus gibt. Vorher steht von Mittwoch bis Freitag (13. bis 15. Januar) jeweils um 20 Uhr mit „On the loose“ noch eine Regiearbeit von ihm auf dem Programm.

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Karten gibt es im Pumpenhaus, Gartenstraße 123: ✆ 23 34 43.

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