Miniaturen von Olga Pona im Pumpenhaus
Mensch und Maschine

Münster -

Ein Pendel aus silbernen Kugeln steht auf der Bühne des Pumpenhauses und wirft Schatten an die weiße Bühnenwand, während ein vierköpfiges Ensemble mechanisch wirkende Körperbilder kreiert. Ruckartig positionieren sich die Tänzer im Raum, zeichnen mit langen Armen imaginäre Kreise, lassen die Beine hochschnellen, fallen zu Boden.

Sonntag, 31.01.2016, 17:01 Uhr

Eingeschworene Gesellschaft? Eine Szene aus einer Choreographie von Olga Pona, getanzt vom russischen Ensemble.
Eingeschworene Gesellschaft? Eine Szene aus einer Choreographie von Olga Pona, getanzt vom russischen Ensemble. Foto: DanceArt

Die russische Choreographin Olga Pona ist bekannt für kühle Tanz-Ästhetik, die sich durch flexiblen Körpereinsatz und kraftvolle Bewegungen auszeichnet. Selten lassen sich ihre Tanzstücke mit Bedeutung füllen. Auch dieses dramaturgisch gleichförmig anmutende Stück „A Theoretical Model of Absolute Freedom“, eine Europapremiere, wirkt abstrakt.

Im Zusammenspiel mit Nikolay Panafidins Bühnenrequisit „Pendulum“ überzeugte die Produktion als stimmiges Kunstwerk artifizieller Bewegungen, die sich sowohl im kinetischen Objekt wie in der Choreographie finden. Panafidin, ein russischer Künstler-Ingenieur, stellte erstmalig in Münster aus. Im Keller des Pumpenhauses waren seine filigranen Werke zu sehen: glitzernde Objekte, überraschend konstruiert und reich an Details.

Drei Tanzstücke zeigte das Chelyabinsk Contemporary Dance Theatre. Die zweite Europapremiere des Abends stellte zwei Tänzerinnen ins Rampenlicht, Maria Greyf und Tatiana Sushchenko. Ähnlich wie im Ensemblestück um Mensch und Maschine legt Olga Pona den Fokus in „Solo for Two“ auf die tänzerischen Fertigkeiten der Solistinnen. Darüber hinaus vermittelt sich allerdings kaum etwas.

Umso gelungener „Male Identity“, eine Produktion für fünf Tänzer aus dem Jahr 2009, die Olga Pona in überarbeiteter Version vorstellte. In einer akrobatisch anmutenden Choreographie aus großen Hebungen und Sprüngen gelingen humorvolle Szenen rund um die männliche (russische) Gesellschaft. Lässt sich die Bedeutung ihrer Dialoge leider nur erahnen, bietet der Tanz Raum für zahlreiche Assoziationen. Etwa, wenn Individuen einander halten und stützen wie eine eingeschworene Gemeinschaft. Oder wenn sie, Insekten gleich, ungelenk übereinander kugeln.

Komisch auch eine Laufsteg-Szene, in der Tänzer auf Shirts Comic-Helden präsentieren und damit den Kult um Muskeln und Männlichkeit konterkarieren. Ein sympathisch selbstironisches Stück.

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