Ensemble „Artig“ zeigt „Prometheus“
Jeder sucht die Erleuchtung

Münster -

Der Anfang ist Mystik, das Ende Sturm und Drang. Dazwischen findet eine komplette Evolution statt. Die dauert zwar nur rund eine Stunde, beinhaltet aber alles, was man für eine Zivilisation braucht. Aufgehängt wird das Ganze an Prometheus, jenem Titanensohn aus der griechischen Mythologie, der den Menschen das Feuer gebracht hat und dafür von den Götter abgestraft wurde. Zwar hat man das Feuer aus technischen Gründen hier durch Licht ersetzt, trotzdem ist eine eindrucksvolle und rundum stimmige Inszenierung dabei herausgekommen.

Freitag, 05.02.2016, 18:02 Uhr

13 Wesen entdecken das Licht.
13 Wesen entdecken das Licht. Foto: jas

Mit seiner neuen Produktion, die am Mittwoch im Pumpenhaus Premiere hatte, geht das Ensemble Artig der Marienschule weg vom traditionellen Sprechtheater. In „Prometheus“ ist alles Bild, Bewegung und körperlicher Ausdruck. So zeigt die Eröffnungsszene in düsterer Beleuchtung minutenlang ein riesiges Tuch, unter dem sich auf geheimnisvolle Weise etwas bewegt. Wie eine brodelnde Ursuppe wirkt das, aus der sich dann langsam die 13 junge Darstellerinnen herauslösen und zu Einzelwesen werden – eher noch Tier als schon Mensch.

Entsprechend panisch reagieren sie auch, als der erste scharfe Lichtstrahl auf die Bühne fällt. Aber bald finden sie Gefallen an dem Glanz, der so unvermutet ihr tristes Dasein erhellt. Jeder drängt sich jetzt ins Licht und fängt an, es für sich zu beanspruchen. Kleidungsstücke werden über die lehmfarbene Trikos gezogen und rituelle Tänze aufgeführt. Doch mit dem Kult ums Licht fängt auch der Streit an. Jeder beansprucht die Erleuchtung für sich. Die Götter sind nicht länger maßgeblich, wie eine Stimme aus dem Off andeutet. Es sind Zeilen aus Goethes „Prometheus“-Gedicht, in dem das Menschengeschlecht aufgefordert wird, Zeus nicht zu achten.

Unter der Leitung von Christian Reick, Milena Weber und Viktoria Mletzko (Regie und Dramaturgie) bringen die Marienschülerinnen eine Inszenierung auf die Bühne, die mit starken Bildern und einer eindrucksvollen Choreographie (Judith Suermann) überzeugt. Gelungen ist auch der Einsatz von Schreibtischlampen, die als mobile Beleuchtung in weiten Teilen die Bühnenscheinwerfer ersetzen und so dem Thema auf originelle Weise neue Aspekte abgewinnen.

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