Klangzeit: Konzert „Aus dem Kohelet“
Der Irrtum der Mächtigen

Münster -

„Die Weisheit übertrifft die Torheit wie das Licht die Finsternis“ – schön wär’s! Im realen Leben scheint oft genug das Gegenteil der Fall. Nicht erst heute, sondern schon vor 2300 Jahren, wie das alttestamentliche Buch Kohelet weiß. Dessen im Grunde nihilistische Philosophie ist erstaunlich aktuell, wo Ausbeutung und Gier nach Macht angeprangert werden, wo irdische Vergeltung von Gut und Böse als kaum in Sicht zu beklagen ist. Winfried Michels Melodram „Aus dem Kohelet“, am Donnerstag im Zen-trum des Klangzeit-FestivalKonzertes im Theater im Pumpenhaus, spiegelt so manche Erfahrung der Verzweiflung, der Vergeblichkeit menschlicher Mühen: „Alles ist Windhauch . . .“

Freitag, 12.02.2016, 16:02 Uhr

Optisch markant: das Schattenspiel, das entsteht, während Helge Slaatto und Matias de Oliveira Pinto dezente Töne anschlagen und Markus von Hagen kernig den Text deklamiert.
Optisch markant: das Schattenspiel, das entsteht, während Helge Slaatto und Matias de Oliveira Pinto dezente Töne anschlagen und Markus von Hagen kernig den Text deklamiert. Foto: cws

Insofern passt Michels packender musikalischer Kommentar zum „Kohelet“ auch zum Festivalthema „Heimat“: als Ausdruck der Absenz eben dieser.

Packend gerät die Musik, indem Violine und Cello lakonische Einwürfe in den Raum stellen – oder mit sprachähnlicher Gestik dem Text eine zweite, sinnlich erfahrbare Dimension hinzufügen, sie zusätzlich dramatisieren. Dabei agieren Helge Slaatto und Matias de Oliveira Pinto auf ihren Instrumenten über weite Strecken eher mit dezenten Tönen, erreichen aber mit wenigen Mitteln große Expressivität. Kernig deklamiert Markus von Hagen den Text, wie schon bei der Uraufführung des Werkes 2013 in Heidelberg. Optisch markant: das Schattenspiel „über den Irrtum der Mächtigen“.

Kanontechniken sind es, die viele von Michels Kompositionen prägen. So auch hier. Und trotzdem klingt nichts nach Gelehrsamkeit. Das macht wahre Meisterschaft aus, ganz wie beim guten, alten Johann Sebastian Bach.

In diesem Bachschen Geiste gearbeitet sind auch die an diesem Abend den „Kohelet“ rahmenden kurzen Stücke von Giovanni Paolo Tomesini, eines rätselhaften Meisters, dessen wahre Identität nur einem kleinen Zirkel Eingeweihter etwas näher bekannt ist. Aber was braucht man mehr, als sich allein auf Tomesinis raffinierte Klänge einzulassen?

Zum Thema

Das Klangzeit-Festival wird am Samstag um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Theaters Münster fortgesetzt mit dem Jubiläumskonzert des „ensemble:hörsinn“. 

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