Das Kollektiv „andcompany&Co.“ dekliniert im Pumpenhaus viele Probleme durch
Von der Politik bis zur Popkultur

Münster -

In den 80ern war die Angst. Die Angst vor Mittelstreckenraketen, havarierenden Kernkraftwerken und einem Dritten Weltkrieg. Und diese Angst brachte die Friedensbewegung hervor. Mit dem Ende des Kalten Kriegs verschwand auch die Angst. Man hat sie auf den Dachboden gebracht, wie ein altes Kuscheltier, mit dem keiner mehr spielen wollte. Aber jetzt wird sie wieder hervorgeholt. Von Bewegungen, die sich Pegida oder AfD nennen und ihre Angst vor Terror, Islam und Überfremdung ins Feld führen. Sie haben den Linken die Friedenstaube geklaut und wollen sie unter umgekehrtem Vorzeichen wieder fliegen lassen.

Sonntag, 14.02.2016, 16:02 Uhr

Auf jeden Fall bunt ging es beim Berliner Performance-Kollektiv zu .
Auf jeden Fall bunt ging es beim Berliner Performance-Kollektiv zu . Foto: Doro Tuch

Das ist in etwa der Argumentationsstrang, den andcompany&Co. im Pumpenhaus knüpfte. „Warpop Mixtake Fakebook Volxfuck Peace Off! ’Schland of Confusion“ nennt sich die neue Produktion des Berliner Performance-Kollektivs. Und genauso bunt und eklektizistisch wie im Titel geht es auch auf der Bühne zu. Theater präsentiert sich hier als Materialsammlung, die alle Bereiche von der hohen Politik bis hinunter in die Niederungen der Popkultur abgrast und dabei eher zufällig als gezielt vorzugehen scheint. Umso erstaunlicher ist es, dass der Prozess am Ende doch noch zu einem nachvollziehbaren Ergebnis kommt.

In einer Spielplatzkulisse mit zwei Kinderrutschen deklinieren Nicola Nord und Claudia Splitt die Ängste der 80er Jahre durch, während Sascha Sulimma am DJ-Pult den passenden Soundtrack liefert. Es ist ein apokalyptisch anmutender Remix, bei dem Gudrun Pausewangs Endzeitroman über „Die letzten Kinder von Schewenborn“ ebenso neu aufgelegt wird wie Aldous Huxleys „1984“. Alexander Karschnia spielt den Big Brother, der sich in einem Video zum neuen Friedensherrscher erklärt. Um nichts Geringeres geht es ihm als um die Rettung des Abendlandes. Von dem bleibt dann allerdings nur noch die Vokalfolge A-e-a, nachdem das Gerät seine Rede dadaistisch zerlegt hat.

Es ist eine manchmal mehr, meist weniger homogene Mischung aus diversen Fakten, Situationen und Befindlichkeiten, mit dem das Ensemble eine Brücke von den 1980er Jahren bis zum Heute schlägt. Und obwohl die Aufführung mitunter ein wenig theorielastig gerät, wirkt sie durch die originellen Tanz- und Gesangseinlagen insgesamt doch sehr kurzweilig.

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