Alte Philharmonie mit Enrique Bernardo im Waldorfsaal
Tosender Beifall

Münster -

Beethoven, Brahms und ein technisch anspruchsvolles Klavierkonzert, das von einem Opernsänger bravourös bewältigt wurde – das Konzert der Alten Philharmonie im Waldorf-Konzertsaal wurde gefeiert.

Dienstag, 15.03.2016, 05:03 Uhr

Tosenden Applaus gab es am Ende für Enrique Bernardo am Flügel und die Alte Philharmonie.
Tosenden Applaus gab es am Ende für Enrique Bernardo am Flügel und die Alte Philharmonie. Foto: Heike Eickhoff

Thorsten Schmid-Kapfenburg wollte seit Langem dieses Klavierkonzert dirigieren, betonte er in seiner Moderation. Es gelte als technisch anspruchsvoll: Ein Pianist habe sich beim Spiel sogar mal einen Finger gebrochen. Überhaupt gebe es nur wenige Pianisten, die es spielen können: „Und dass wir einen hauptberuflichen Opernsänger treffen, der das spielt: Das ist weltweit einzigartig!“, freute er sich.

Am Ende gab es tosenden Beifall und stehende Ovationen für den Pianisten Enrique Bernardo (tatsächlich Mitglied des Opernchors des Theater Münster), der Sergei Prokofjews zweites Klavierkonzert bravourös und mit unglaublicher Vitalität spielte. Die lange Kadenz zauberte er mit viel Verve aus dem Flügel, hatte Freude an Dynamik und Ausdruck und streute elegante Artikulationen in rasante, blitzsaubere Läufe. Immer ein wenig drängend lockte er aus Prokofjews Werk viel musikalisches Temperament heraus, überzog aber nie.

Die Alte Philharmonie Münster legte dem Pianisten, konzentriert und zuverlässig, einen roten Tonteppich zum Klavierspiel aus und darf einen gehörigen Anteil des riesigen Beifalls für sich verbuchen.

In der Zugabe begleite Bernardo sich selbst am Klavier und sang eine Arie. Das ist tatsächlich rekordverdächtig!

Im voll besetzten Konzertsaal der Freien Waldorfschule zeigte sich die Alte Philharmonie überhaupt in bester Verfassung. Eine Uraufführung eröffnete die zweite Konzerthälfte. Norbert Linkes „Elegie über das Leiden der Menschen“ in der Fassung für Orchester lag auf den Pulten.

Nach der leisen, sehr ruhigen Einleitung kam ein wenig melodische Bewegung hinzu, die Dynamik wurde kräftiger. Trotzdem überwog der meditative Charakter – ruhige Musik, die dazu verleitete, die Gedanken weit schweifen zu lassen. Zu Konzertbeginn gab es (geadelt von den gut aufgelegten hohen Streichern) Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu „Egmont“. Das Dirigat lockte großen und sauberen Klang aus dem engagierten Orchester.

Die dritte Sinfonie von Johannes Brahms beendete das Konzert: voller Streicherklang, sichere Einsätze in der Ablösungen der Bläser, exakte Akzente des Schlagzeugers. Ein wenig verlor sich der zweite Satz; doch im dritten Satz (Poco Allegretto) sang das Orchester geradezu. Temperamentvoll beendete die Alte Philharmonie die Sinfonie.

Dafür gab es ebenfalls sehr viel Applaus.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3868666?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F4848573%2F4848583%2F
45-Jähriger nach Schlägerei gestorben
Polizei sucht Zeugen: 45-Jähriger nach Schlägerei gestorben
Nachrichten-Ticker