Miroslav Nemec im Theater
Perfekt „jandln“ in Jeans

Münster -

Es gab mal Zeiten, da waren Lyrik-Abende still und andächtig. Heute aber, wo Gedichte wieder cool und Poetry Slams für das Genre wie ein Jungbrunnen sind, läuft die Chose anders. Wenn dann ein „Meister des Wortes“ wie Miroslav Nemec sich bei Weverinck die Ehre gibt, klingt die experimentelle Nachkriegs-Lyrik eines Ernst Jandl oft schelmisch wie Heinz Erhardt. Und mit H.C. Artmann wird eine Riesenpackung Wiener Schmäh draufgelegt, welche Melancholie mit grimmigem Humor paart. Wenn Nemec, der Mozarteum-Absolvent, dann noch in die Tasten greift, sind Können und Coolness vereint.

Sonntag, 20.03.2016, 14:03 Uhr

Miroslav Nemec rezitiert Ernst Jandl und H. C. Artmann. Und in die Klaviertasten greift er später auch noch.
Miroslav Nemec rezitiert Ernst Jandl und H. C. Artmann. Und in die Klaviertasten greift er später auch noch. Foto: zin

Sein Kompositions-Professor ließ die Eleven seinerzeit kräftig „jandln“, um die verspielt-kreative Rhythmisierung von Sprache zu üben. So hat der junge Nemec dann damals rhythmisiert und auch komponiert. Er klopft im Kleinen Haus nun den Sprachrhythmus auf seine Jeans – und setzt sich dann ans Klavier, um eigene Vertonungen mit kräftiger Stimme eines Songpoeten anzustimmen. Wie gesagt, Ernst Jandls experimentelle Sprachspiele und Lautmalereien strotzen oft vor Humor. „Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!“, rezitiert Nemec und fügt grinsend an: „Ein politisches Gedicht“. Auch „Ottos Mops“, Jandls bekanntestes Gedicht, darf nicht fehlen.

Der zweite Wiener des Abends ist H.C. Artmann. Und der wird in prallem Dialekt präsentiert, den der Schauspieler perfekt draufhat. Aber auch der Münsteraner? Da hat Nemec durchaus Bedenken – aber „der Dialekt ist manchmal besser für solche Poesie!“ Und die ist bei Artmann teils morbid mit „schwarzer Tinte“ geschrieben. „Med ana schwoazzn Dintn“ heißt der Gedichtband.

Mag sein, dass der Münchner Tatort-Kommissar etwas zu viel plaudert und zu oft die eigenen Freundschaften oder Liebes-Narben einflicht (eine Verflossene schenkte ihm vor Jahrzehnten den Artmann-Gedichtband). Mag sein, er „übersetzt“ etwas zu viele Vokabeln des Wiener Dialekts, ohne den die Wortwellen des Wieners Artmann nicht so wuchtig über die Rampe kämen. Die letzte Intensität verschenkte der Charmeur damit – aber am Ende ging die Rechnung immer auf.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3881237?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F4848573%2F4848583%2F
Nachrichten-Ticker