Daniela Schlüter im Haus der Niederlande
Bilderflecken verdichten sich

Münster -

Münsters Kulturamt zeigt im Krameramtshaus Daniela Schlüter mit ihrer Ausstellung „zum Auftauen, vielleicht“. Darin folgt sie intuitiv den lyrischen Anliegen des ungarischen Dichters Attila József.

Donnerstag, 31.03.2016, 06:03 Uhr

Assoziationen sollen die Bilder von Daniela Schlüter (kl. Foto) anstoßen: Weiße Ratten kuscheln, Kinder spielen mit Ballons, Kinder spielen mit Gewehren – drei Mal soziales Lernen.
Assoziationen sollen die Bilder von Daniela Schlüter (kl. Foto) anstoßen: Weiße Ratten kuscheln, Kinder spielen mit Ballons, Kinder spielen mit Gewehren – drei Mal soziales Lernen. Foto: G H. Kock

Bilder wie das Heute – unübersichtlich, widersprüchlich, vielfältig. Doch Daniela Schlüter hat eine Haltung zur Welt, eine Haltung, die sich erst nach längerem Betrachten wie eine Ahnung einstellt: In all den brutalen Gegensätzen und bedrohlichen Informationsfluten bleibt das Menschliche und Schöne möglich. Das Kulturamt zeigt die Künstlerin aus dem Münsterland im Krameramtshaus mit ihrer Ausstellung „zum Auftauen, vielleicht“.

„Oh Gott, jenes Feuer müßte man stiften für die Menschen, zum Auftauen, vielleicht“ – diese Zeilen stammen von Attila József . Angeregt durch die bibliophile Edition „Reinen Herzens“ (Edition sonblom Münster) beschäftigte sich Schlüter mit dem ungarischen Dichter. Laut Wikipedia gibt es in Ungarn in jeder Stadt und in fast jedem Dorf eine Straße, die seinen Namen trägt, in Budapest gleich zwölf. Die rechtsgerichtete ungarische Regierung Orbán hatte Pläne, das nach 1945 errichtete Denkmal des als politisch links geltenden Dichters am Kossuth-Platz hinter dem Budapester Parlamentsgebäude zu beseitigen. Das scheiterte bislang am Protest.

Daniela Schlüter stellt im Haus der Niederlande aus

1/19
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock

Schlüter stellt József vor, aber sie illustriert seine Verse nicht, sondern nähert sich ihm und ihnen mit ihren Mitteln intuitiv. Bilder werden als Symbolflecken platziert, auf dass sie sich zu Gefühls- und Gedankenlandschaften verdichten. Es tauchen immer wieder gleiche Motive auf – Kinder zum Beispiel: Die einen spielen mit Luftballons – Peng! –, die anderen mit Gewehren . . . Schlüter war als Jugendliche in Mostar, hat die verfeindeten Kroaten, Bosniaken und Serben erlebt, Kinder, die Krieg spielen, die wissen, wie groß der tödliche Radius einer Handgranate ist.

Schlüters Bild-Repertoire ist ungleich größer: Tiere (Raben, Hunde, Eulen), Mobiliar (Leitern, Stühle, Tore) oder auch Formeln wie DNA-Stränge oder ein Stammzellen-Code. Bei der Münsterländerin (sie kehrte nach 13 Jahren als Lehrende an Universitäten in USA und Kanada wieder auf einen Bauernhof im Münsterland zurück) schimmern Mystik und Wissenschaft, Politik und Kultur, Empfindung und Gedanken. Und bei allem bleibt sie dem Menschlichen à la Attila József nah:

„Ich will ein wilder Apfelbaum werden! Alle Hungernden äßen von meinem rießigem Laib, alle Kinder säßen unter meinen Zweigen. Alle Waisen, die verärmten, kämen, und ich trocknete mit meinem Apfelbaum ihre Tränen.“

Zum Thema

Die Vernissage mit Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson ist am Donnerstag (31. März) um 18 Uhr im Krameramtshaus, Alter Steinweg 6/7. Die Ausstellung ist bis zum 28. April zu sehen.

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3900725?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F4848573%2F4848583%2F
Cueto haucht Preußen in Jena neues Leben ein
Fußball: 3. Liga: Cueto haucht Preußen in Jena neues Leben ein
Nachrichten-Ticker