Theatergruppe „Kollektiv / Körper / Fest“ im Pumpenhaus
Aberwitzig allein

Münster -

Die Theatergruppe „Kollektiv / Körper / Fest“ stellte sich mit „Nicht mehr mein liebstes Ich“ im Pumpenhaus vor – eine literarische Trauerarbeit. Das Stück basiert auf dem „Logbuch eines unbarmherzigen Jahres“ der niederländischen Schriftstellerin Connie Palmen, deren Ehemann, der Politiker Hans von Mierlo, nur vier Monate nach ihrer Hochzeit starb.

Freitag, 01.04.2016, 06:04 Uhr

Literarische Trauerarbeit (v. l.): Mit Alice Mortsch und Stefan Nászay stellte sich das neue Theater „Kollektiv / Körper / Fest“ im Pumpenhaus mit seinem Stück „Nicht mehr mein liebstes Ich“ vor. Foto: Erich Saar
Literarische Trauerarbeit (v. l.): Mit Alice Mortsch und Stefan Nászay stellte sich das neue Theater „Kollektiv / Körper / Fest“ im Pumpenhaus mit seinem Stück „Nicht mehr mein liebstes Ich“ vor. Foto: Erich Saar

Melancholischer, brasilianischer Gesang, ein stummes Spiel des Schauspielduos und die Erinnerung an die Hochzeit – so begann die Premiere und Uraufführung am Mittwochabend im Keller des Pumpenhauses „Nicht mehr mein liebstes Ich“. Das Stück basiert auf dem „Logbuch eines unbarmherzigen Jahres“ der niederländischen Schriftstellerin Connie Palmen , deren Ehemann, der Politiker Hans von Mierlo , nur vier Monate nach ihrer Hochzeit starb.

Es ist das erste Werk der 2015 gegründeten Theatergruppe „Kollektiv / Körper / Fest“. Das sind aus Münster die Schauspieler Alice Mortsch und Stefan Nászay, die Autorin Edda Klepp (Dramaturgin) sowie die Kölner Künstlerin Hannah Schneider (Bühneninstallation). Berührt von Palmens literarischer Trauerarbeit hatte Nászay die Idee, gemeinsam diesen Stoff als Bühnenstück zu erarbeiten. Connie Palmen reagierte aufgeschlossen und genehmigte das Projekt. Zur Uraufführung konnte sie leider nicht persönlich kommen.

Die Bühnenraumgestaltung war Premiere für Schneider, die sich als Bildende Künstlerin ansonsten der Bildhauerkunst und Installationen widmet. Im Pumpenhauskeller mit Platz für 28 Zuschauern ist ihr eine Raumgestaltung gelungen, der das Publikum unmittelbar ins Geschehen hineinzieht. Genial wird die Kellerarchitektur mit Säulen und Nischen ins Spiel einbezogen, die Bühne umgrenzt ein Holzsteg, zwei mobile Elemente und sparsamer Einsatz von Requisiten unterstützen das intensive Spiel von Mortsch und Nászay, das ihr Premierenpublikum fesselte, tiefe Emotionen vermittelte und zwischendurch manchen zum Lachen reizte.

Die literarische Trauerarbeit wird zum Monolog von Frau und Mann über die „Hölle, in der ich mich befinde“, mal leise, stockend, mal schreiend, aggressiv, dann wieder verstummend, tanzend und verträumt lächelnd. Gegen das Verblassen der Erinnerung kämpft die Frau schreibend an „unterwegs nach Nichts und Nirgendwo“. Und der Mann an ihrer Seite (Nászay) unterstützt die Reflexion – als ihr Bruder, Freund, zweites Ich, die Erinnerung an den Mann? Er ergänzt Erinnerungen, hält die Trauernde, spricht ihr echoend den eigenen Text zu und leidet mit unter dem „Wir ist vorbei. Wir ist tot“.

Und über allem immer wieder die große Liebe. „Ich fühle mich so echt“, das Gefühl, das den Tod überwindet: „Gewöhnt, ohne ihn mit ihm zu sein“. Das Resümee der Beziehung Palmen und von Mierlos: „Wir sind ratlos glücklich“. Das Premierenpublikum honorierte das Spiel mit anhaltendem Beifall für starke Schauspieler, starke Bilder, starke Emotionen.

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Aufführungen: Freitag, Samstag und Sonntag (1. bis 3. April) um 20 Uhr. Karten: ✆ 23 34 43.

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