Rätselhaftes Kunstwerk am Michaelisplatz
Schilderwechsel erregt Aufsehen

Münster -

Ein Ritual steht wieder vor der Tür: Der Schilderwechsel auf dem Michaelisplatz. Was soll das? Was passiert dann? Das sind die häufigsten Fragen, die auf dem Michaelisplatz gestellt werden. 

Samstag, 02.04.2016, 10:00 Uhr aktualisiert: 04.04.2016, 10:48 Uhr
Sebastian Bertuleit, der Techniker vom Kulturamt, wechselte das Schild in den Vorjahren aus.
Sebastian Bertuleit, der Techniker vom Kulturamt, wechselte das Schild in den Vorjahren aus. Foto: Gerhard H. Kock

Am Michaelisplatz hängt ein Schild mit einem Datum. Seit vier Jahren mit dem Termin: 3. April 2016 17.15 Uhr. Was dann passiert? Orts- und kunstkundige Münsteraner wissen es: Dann wird das Schild mit dem alten Datum abgeschraubt und ein Schild mit einem neuen Datum angeschraubt. Das war’s.

Das war’s? Nein, denn seit ein paar Jahren ist dieser scheinbar banale Vorgang zu einem Ereignis geworden. Beim vorigen Wechsel kamen rund 400 Neugierige. Geburtstagskinder mit entsprechenden Daten fanden sich in den Vorjahren ein und stießen auf weitere Jahre an, ließen sich mit dem Schild fotografieren. Das Abschrauben wurde durch einen Countdown begleitet.

Münsters wahrscheinlich kuriosestes Schild ist eines von zehn im Rahmen der Kunstaktion „Zukunft- und Vergangenheitshandel“ des Künstlers Mark Formanek . Alle vier Jahre soll dabei eine neue Blechtafel mit einem Termin aufgehängt werden. Die erste hing 1992 am Hawerkamp; seit 1996 wird an der Wand am Michaelisbrunnen geschraubt. Die Formanek-Arbeit besteht aus den zehn Platten, die allesamt noch oder wieder im Kulturamt lagern. Damit daraus kein Jahrestag wird, ist die Frequenz unterschiedlich. Das Kulturamt kennt selbstverständlich sämtliche Termine. Die verrät es aber nicht. Immerhin: Die Stadt hat 40 Jahre erworben. Das letzte Datum liegt im Jahr 2040.

Der Austausch als Ereignis gehört übrigens offiziell nicht zum Kunstwerk. Schließlich werde mit dem Datum auch nichts angekündigt oder versprochen, wie Formanek vor Jahren gegenüber den WN betonte. Der Künstler, der in Münster studiert hat, lebt heute in Berlin , gelegentlich soll er dem Schilderwechsel zugeschaut haben. Zu erkennen gegeben hat er sich dabei bislang noch nie. Vielleicht ist er ja auch Sonntag unter den Zuschauern.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3904905?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F4848573%2F4848582%2F
Nachrichten-Ticker