Originelle Performance
Ein Jodler für den Echo-Test

Münster -

An Projektoren herrscht kein Mangel, an Projektionsfläche ebenfalls nicht. Die Bühnenwände sind voller Landschaft. Und irgendwo inmitten mächtiger Berge oder langgezogener Strände findet sich immer auch eine menschliche Gestalt. Das ist dann der Onkel oder die Tante. Oder eine der Darstellerinnen selbst – in ganz jungen Jahren, wie sich an Körpergröße, Kleidung und Frisur unschwer erkennen lässt.

Sonntag, 17.04.2016, 16:04 Uhr

Mit alten Bildern lassen die Performerinnen Erinnerungen an die Großeltern lebendig werden.
Mit alten Bildern lassen die Performerinnen Erinnerungen an die Großeltern lebendig werden. Foto: Ariane Tümper

Was Sabeth Dannenberg mit ihren Kolleginnen Aeran Kim, Mia Sellmann und Almut Pape im Pumpenhaus aufführt, nennt sich „Im Rahmen ...einer Erinnerung“ und ist gattungstechnisch als multimediale Performance einzuordnen. Das verwendete Material sind alte Fotos, Dias, Tagebücher und Videoaufnahmen, die aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst und neu zusammengesetzt werden. Auf diese Weise entstehen optische und akustische Räume, die primär an das Assoziationsvermögen des Zuschauers appellieren.

Anhand von Bildern aus der Kaiserzeit versuchen die Performerinnen, das Lebensgefühl ihrer Großeltern in Ostpreußen nachzuempfinden. Das lässige Baumwollkleid von Tante Luzie beschwört die Wandervogel-Bewegung herauf, während das ausgelassen am Strand herumtollende Mädchen bereits auf die Gegenwart verweist. In einer Szene erforschen die mit Grubenlampe und Regenschirm ausgestatteten Darstellerinnen eine an die Wand projizierte Waldlandschaft mit Elch. Später testen sie mit einem beherzten Jodler die Echotauglichkeit des Hochgebirges aus.

Und weil das Ganze als Performance angelegt ist, wird die Vergegenwärtigung des Vergangenen immer wieder durch verfremdende Momente aufgelockert. Dazu gehört beispielsweise eine Darstellerin, die sich ständig zu Boden fallen lässt und wieder aufsteht, während eine Kollegin eine Text über die „Entdeckung der Kindheit in der Kunst“ vorträgt. Nicht weniger grotesk, aber gleichzeitig höchst unterhaltsam gestaltet sich Dannenbergs Kampf mit einem Klappstuhl, bei dem sie sich hoffnungslos in dessen Mechanik verheddert. Als lehrreich hingegen erweist sich ein detaillierter Vortrag über die korrekte Technik beim Schälen einer Orange. Insgesamt eine interessante Inszenierung – mit kleinen Längen zwar, aber auch mit einigen guten Ideen.

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