Tanz-Pionierin Ingeborg Kölling wird 90
„Münster ist eine Tanzstadt geworden“

Münster -

Die erste private Ballettschule der Stadt, Jazztanz als Innovation eingeführt, Münsters Tanzfestival mitgegründet: Ingeborg Kölling ist eine Pionierin.

Freitag, 20.05.2016, 09:05 Uhr

Ingeborg Kölling hat Münster als Tanzstadt maßgeblich mitgeprägt.
Ingeborg Kölling hat Münster als Tanzstadt maßgeblich mitgeprägt. Foto: Isabell Steinböck

„Das Schönste war, wenn es gelungen ist, das Publikum mitzunehmen. Wenn das, was man ausdrücken wollte, auch ankam.“ Ingeborg Kölling sitzt in ihrem hellen Wohnzimmer neben der breiten Bücherwand und lässt ihr Tänzer-Leben Revue passieren. Es gibt viel zu erinnern, die Anfänge ihrer Karriere liegen fast 80 Jahre zurück. Am 21. Mai wird die gebürtige Dresdnerin 90 Jahre alt.

Rund 20 Jahre stand Ingeborg Kölling (geborene Keller) als Balletttänzerin auf der Bühne, an der Dresdner, dann an der Bayerischen Staatsoper, schließlich in Münster . In München lernte sie ihren Mann, Staatsballettmeister Rudolf Kölling , kennen. Münsters Intendant Bruno von Nissen holte beide 1955 an die Städtischen Bühnen. Ingeborg Kölling war Solistin, Assistentin ihres Mannes und leitete mit ihm die Theater-Ballettschule. Als Tochter Nicole geboren wurde, zog die Tänzerin einen Schlussstrich. „Da hab ich gesagt: Jetzt brauchen wir Zeit.“

Köllings zweite Karriere begann, als das Paar 1963 eine Ballettschule in der Schützenstraße gründete – die erste private Schule in Münster. „Außer unserer Schule gab es noch eine andere, aber die war hauptsächlich mit Karneval beschäftigt“, erinnert sie sich schmunzelnd. Als Ehemann Rudolf 1970 starb, erweiterte sie die Schule und zog in die Grüne Gasse. „Damals kam Jazztanz auf. Also habe ich mich fortgebildet und Gastlehrer eingeladen.“

Noch etwas war einzigartig für Münster: Ingeborg Kölling bot Unterricht und Prüfungen nach dem Lehrplan der Royal Academy of Dance an: „Die Kinder sollten ein Ziel haben und dieses wichtige Zertifikat erwerben können.“ Zuvor hatte sie selbst nach nur sechs Wochen in London das Examen abgelegt. „Da waren wir die verrückten Deutschen“, erzählt sie lachend: „Aber ich wollte es genau wissen.“

Seit 1992 ist ihre Schule geschlossen; dass es heute so viele Ballettschulen gibt, freut sie sehr: „Münster ist eine Tanzstadt geworden.“ Das liegt wohl auch am Tanzfestival. Ingeborg Kölling hat die jährliche Veranstaltung im Großen Haus 1989 mit fünf anderen Lehrern aus der Taufe gehoben und ist bis heute beratend tätig. Gründungsmitglied war sie auch beim Berufsverband für Tanzpädagogik. Erst 2004 schied sie aus dem Vorstand aus – ein verdienstvolles Leben für den Tanz.

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