Hannes Demming wird am 25. Mai 80
Passion zwischen Pult und Theater

Münster -

Er zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten des münsterländischen Kulturbetriebs. Hannes Demming blickt im Gespräch auf 80 Lebensjahre und fast 60 Bühnenjahre zurück.

Dienstag, 24.05.2016, 13:05 Uhr

Hannes Demming steckt auch mit 80 Jahren voller Ideen. Seit 55 Jahren ist der gebürtige Münsteraner bei der Niederdeutschen Bühne und im Kulturbetrieb des Münsterlandes aktiv dabei. Shakespeares „Sommernachtstraum“ möchte er 2019 auf Platt aufgeführt sehen. Die Übertragung hat Demming bereits fertig.
Hannes Demming steckt auch mit 80 Jahren voller Ideen. Seit 55 Jahren ist der gebürtige Münsteraner bei der Niederdeutschen Bühne und im Kulturbetrieb des Münsterlandes aktiv dabei. Shakespeares „Sommernachtstraum“ möchte er 2019 auf Platt aufgeführt sehen. Die Übertragung hat Demming bereits fertig. Foto: Gunnar A. Pier,

Die Maiensonne lacht. Hannes Demming kommt gut gelaunt von der Probe. Im Gespräch auf der Dachterrasse des Theaters Münster berichtet er über 80 Lebensjahre, davon gut 60 auf der Bühne. Am 25. Mai feiert der pensionierte Altphilologe und nach wie vor begeistert aktive Bühnenschauspieler, Autor und Publizist seinen 80. Geburtstag.

Was geht Ihnen zum Geburtstag durch den Kopf?

Hannes Demming: Meine Restlaufzeit ist ja nicht mehr übermäßig lang (lacht). Da überlegt man sich, was noch zu tun ist, und schaut zurück, was man schon so alles im Leben gemacht oder unterlassen hat.

Zur Person

Hannes Demming, geboren am 25. Mai 1936 in Münster, von 1943 bis 1952 aufgewachsen in Neuenkirchen bei Rheine, unterrichtete von 1963 bis 2000 als Lehrer am Gymnasium Augustinianum in Greven, am Paulinum in Münster, am Kardinal–von–Galen–Gymnasium in Hiltrup und am Petrinum in Recklinghausen. Seit 1961 wirkte er als Schauspieler, Regisseur und Leiter der NDB. Als Schauspieler war er vielfach gefragt vom Theater Münster bis zur „Heimat“-Filmserie von Edgar Reitz. Demming arbeitet seit vielen Jahren für den WDR, publizistisch für Regionalzeitungen, als Übersetzer, Sprecher, Rezitator und Stückeschreiber.

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Gibt es einen magischen Moment im Leben, an dem für Sie feststand, auf die Bühne zu gehen?

Demming: Mir als Jugendlichem schwebte immer etwas mit Theater vor. Kurz vor dem Abitur am Paulinum, so um 1955 herum, ließ ich einen Berufsberater wissen, dass ich gerne Filmschauspieler werden möchte. Der Herr bedeutete mir – diplomatisch –, dass man dort eher „gut aussehende junge Leute“ suche. Also entschied ich mich zu etwas Solidem: Ein Onkel war Studienrat in Bochum. Dem tat ich es nach und begann 1956 in Münster ein Philologiestudium. Zum Theater fand ich einen Seiteneinstieg.

Wie ging das vor sich?

Demming: Mein Musiklehrer Otto Dunkelberg am Dionysianum in Rheine hat mich für die Musik begeistert. Ich trat mit 16 Jahren dem Musikvereinschor Münster bei. Über diesen Chor und seinen Dirigenten GMD Robert Wagner kam ich 1955 mit der Musikbühne in Kontakt. Dr. Konrad Maria Krug, damals Mentor der Niederdeutschen Bühne (NDB), lernte ich 1961 nach einem Wissenschaftlichen Convent meiner Studentenverbindung kennen. Er suchte einen jungen Spieler für die Rolle des „Unwiesen Karl“ in Franz Mehrings Komödie „Knubben“. Ich stand aber kurz vorm Staatsexamen und meinte ablehnen zu müssen. Sechs Wochen später schrieb er mir, er habe niemanden gefunden. Ob ich nicht doch könne? Ich debütierte im Herbst bei der NDB.

An welche Rollen und Mitstreiter erinnern Sie sich besonders gern?

Demming: An niederdeutschen Rollen möchte ich den „Jöppe“ in Paul Schureks Komödie „Jöppe in’t Paradies“ nennen, dann den „Adam“ in Kleists von mir ins Plattdeutsche übertragenen Komödie „Der zerbrochne Krug“, an hochdeutschen Rollen den „Furtwängler“ in Ronald Harwoods „Taking Sides“ unter der Intendanz von Ewa Teilmans im Borchert–Theater. Vielleicht sollte ich auch noch „Vater Aufschrey“ in „Die zweite Heimat“ von Edgar Reitz nennen, wo ich das Vergnügen hatte, zusammen mit Veronica Ferres zu spielen. Bei der NDB erinnere ich mich besonders gerne an Mimi Frenke, Busso Mehring und Paul Adolf Schäfer.

Wie sind Sie mit der Doppelbelastung – hier Schule, dort Bühne – klargekommen?

Demming: Ich hatte das Glück, als Gymnasiallehrer eine solide finanzielle Grundlage für meine Familie zu haben, meine Frau Isolde hielt mir den Rücken frei, und alle meine schulischen Chefs hatten Verständnis für meine Theaterleidenschaft. Ausgefallene Unterrichtszeiten musste ich selbstverständlich nachholen. Das war manchmal hart, aber: „Wat mott, dat mott“. Das ist übrigens ein von mir oft gebrauchtes plattdeutsches Sprichwort. In dem Zusammenhang noch eine kleine Marotte von mir: In allen von mir ins Plattdeutsche übertragenen Stücken kommt nach Möglichkeit der Name „Mimi“ vor, eine Hommage an Mimi Frenke, die 1988 verstorbene große alte Dame der NDB; und „Nienkiärken“ darf auch nicht fehlen, weil ich in Neuenkirchen bei Rheine von 1943 bis 1952 in der Evakuierung entscheidende Jahre verbracht habe.

Gab es mal einen Punkt, an dem Sie Ihr heimatliches Münsterland verlassen wollten?

Demming: Generalintendant Achim Thorwald hätte mich 1996 bei seinem Fortgang ans Staatstheater Wiesbaden wohl gerne mitgenommen, und ich hätte das vielleicht mitgemacht. Die Sache scheiterte an den Finanzen: Ein Theater kann eben einen Schauspieler unmöglich wie einen Studiendirektor bezahlen.

Wie schaut der 80-jährige Hannes Demming auf die Zeit heute und die Zeit früher?

Demming: Früher war manches leichter, manches schwerer. Ich möchte in unseren Tagen nicht unbedingt Jugendlicher sein. Es ist für junge Leute heute schwierig, die eigene Rolle im Leben zu finden. Ich spüre deutlich, dass wir in Zeiten gewaltiger Umbrüche leben. Ich möchte noch eine ausreichende Lebensfrist haben, um zu sehen, wie sich alles entwickelt. Dabei denke ich besonders an die vielen Menschen, die jetzt zuwandern. Wie schnell werden sie neue Wurzeln schlagen? Oder werden Konflikte in unser Land getragen? Die Brüche im Hinblick auf Christentum und Kirchen sehe ich kritisch und kann die distanzierte Haltung junger Menschen gut nachempfinden. Es fehlt, scheint mir, an Substanz und Glaubwürdigkeit. Hoch– und Niederdeutsch betrachte ich als für unsere Identität wesentlich. Beide Sprachen müssen wir schützen.

Möchten Sie noch einen Wunsch verwirklichen?

Demming: 2019 feiert die Niederdeutsche Bühne am Theater Münster ihr 100–jähriges Bestehen. Es wäre schön, wenn dann „Ein Sommernachtstraum“ auf unserem Spielplan stände. Die Übersetzung habe ich fertig. Mal schauen, ob was draus wird.

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