Shakespeares „Wintermärchen“
In Böhmen scheint die Sonne

Münster -

Okay, ein bisschen rumgetändelt hat sie schon. Hier ein kecker Augenaufschlag, dort ein neckisches Zupfen am Ärmel. Aber ganz bestimmt nichts, was über die Höflichkeit hinausgeht, die man einem Gast zollt. Noch dazu, wenn es sich dabei um den König von Böhmen handelt. Trotzdem ist ihr Mann, der König von Sizilien, stinksauer und lässt seine Gattin in einem Anfall von Eifersucht in den Kerker werfen.

Freitag, 24.06.2016, 20:06 Uhr

Die jungen Darsteller sind mit Enthusiasmus und dramatischer Geste bei der Sache.
Die jungen Darsteller sind mit Enthusiasmus und dramatischer Geste bei der Sache. Foto: Theater Total

Übertrieben? Mag sein. Aber wir sind bei Shakespeare, und nur so wird eine Geschichte daraus. Und die heißt „Das Wintermärchen “ und war am Donnerstag in einer Aufführung des Bochumer Theaters Total im Saal der Waldorfschule zu sehen.

Zwei Dutzend junge Darsteller stehen auf der Bühne und exerzieren die Mischung aus Tragödie und Komödie nach allen Regeln der Kunst durch. Es gibt prächtige Kostüme, ausgelassene Tänze und stimmungsvolle Gesangseinlagen. Es wird gefochten und gescherzt, deklamiert und intrigiert. Und beim tragischen Tod des Prinzen kommt Bühnendonner zum Einsatz, obwohl das an dem Abend gar nicht nötig gewesen wäre, grummelte doch der Himmel selbst beständig vor sich hin.

Sizilien kennt man als sonniges Land, während man bei Böhmen eher an dunkle Wälder denkt. Bei Shakespeare ist es umgekehrt. Die Insel im Mittelmeer hat er für den tragischen Part des „Wintermärchens“ reserviert. Hier finden Eifersucht und Missgunst statt, und die Darsteller setzen es mit dramatischer Gebärde um.

Umso befreiter wirken sie dann im zweiten Teil, der 16 Jahre später in Böhmen spielt. Hier ist alles Freude und Sonnenschein. Schlitzohrigen Gauner treiben ihre Späße mit ehrbaren Bauern. Schäfer bändeln mit Schäferinnen an und tanzen beim großen Schafschurfest eine verwegene Mischung aus Csardas und Cancan. Und hier kommt es dann auch zum Happy End, das die verfeindeten Parteien wieder zusammenführt und neue zarte Bande knüpft. Großer Applaus für die jungen Shakespeare-Recken.

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