Kuriose Frauenporträts
Horst regiert mit Fingerschnipsen

Münster -

Zufallsbekanntschaften sind die vier Damen, die ihre Gutscheine für ein Wellness-Wochenende – überreicht zum Weltfrauentag – einlösen. Unterschiedliche Lebensentwürfe und Erfahrungen haben sie geprägt, und doch gibt es eine Gemeinsamkeit: Sie sind um die 50, und das Gefühl der Nutzlosigkeit und schwindender Attraktivität nagt an ihnen. Im Salon des „Hair-Make-up-Artists“ Horst kommt es in Sibylle Bergs „Die Damen warten“ zum Showdown über die Frage: Gibt es ein Leben zwischen Menopause und letztem Atemzug?

Sonntag, 26.06.2016, 16:06 Uhr

Die Damen warten, und Horst führt Regie.
Die Damen warten, und Horst führt Regie. Foto: Wolfgang A. Müller

Deftig sarkastisch schildern sie ihren Alltag, das Empfinden ihrer Weiblichkeit, ihre Beziehungen zur Männerwelt. Während die Hausfrau Merz-Dulschmann ( Annette Klein ) Rückhalt in einem immer öderen Familienleben sucht, Frau Töss ( Claudia Sandhop ) auf Karriere und ein unbefriedigendes Dasein als Geliebte gesetzt hat, plagt sich die Alleinerziehende Frau Luhmann (Beate Trautner) mit einem pornosüchtigen Sohn und ekligen Sockenskulpturen unter dessen Bett. Die Pathologin Frau Grau (Heide Endress) hat sich völlig in die Welt ihrer Präparate zurückgezogen. Untereinander teilen die Damen bissig aus, bis sie im Chor verkünden: „Es geht doch nur darum, anerkannt zu werden. Wir wissen nur nicht – als was?“

Vom Publikum gesäumt, mitten in den ausverkauften Kleinen Bühnenboden hineingesetzt, kam das Ensemble des Theaters Delüx unter der Regie von Alice Mortsch sofort in Schwung. Bergs mit großartigen Pointen nur so gespickter Text („Frauen lieben Pflanzen, weil sie ihnen unterlegen sind“) erzeugte tosendes Gelächter. Die heimliche Regie innerhalb des temporeichen Stücks führte indes – wie in der gesellschaftlichen Realität – immer wieder ein Mann: Horst (Jan Kappmeier). Er dirigierte die Frauen über ihre Köpfe hinweg mit gebieterischem Fingerschnipsen . Seine herablassenden, immer boshafteren verbalen Einwürfe trieben den Pulsschlag des Stücks stetig Richtung Infarkt.

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