Unichor und Ensemble 22 in der Erphokirche
Singende Hundertschaft

Münster -

Mariä Heimsuchung – wer weiß heute eigentlich noch, an welches Ereignis dieser kirchliche Festtag erinnert? Auch das Programmheft zum Konzert des „Ensemble 22“ und des Universitätschores am Sonntag in der Erphokirche verlor keinen Satz darüber, dass mit der „Heimsuchung“ der Besuch der Gottesmutter Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth gemeint ist, die ebenso schwanger war wie Maria selbst. Letztere formulierte einst ihren Lobpreis Gottes: das „Magnificat“. Und dies kennt nun wirklich jeder, der irgend etwas mit (Chor-)Musik zu tun hat. Johann Sebastian Bach lieferte mit seiner „Magnificat“-Vertonung einen bedeutenden Beitrag zu dieser Gattung, dem sich die beiden von Ulrich Haspel geleiteten Chöre annahmen.

Montag, 04.07.2016, 15:07 Uhr

Der Auftritt von Unichor und Ensemble 22 in der gut gefüllten Erphokirche machte auch optisch etwas her.
Der Auftritt von Unichor und Ensemble 22 in der gut gefüllten Erphokirche machte auch optisch etwas her. Foto: cws

Das machte optisch schon eine Menge her, als die vereinten Stimmen auf den in voller Kirchenschiff-Breite installierten Chorpodesten Aufstellung genommen hatten. Und genauso üppig geriet das klangliche Bild im finalen „Gloria Patri“, das an Feierlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Zusammen mit dem hellwachen, sehr präsenten und in all seinen vielen Farben wunderschön leuchtenden Kourion-Orchester setzten Haspels Chöre damit ein strahlendes Ausrufezeichen ans Ende ihres sehr gut besuchten Konzertes.

Ganz so viel zu tun haben die Choristen in diesem „Magnificat“ nun nicht gerade, aber immer wenn sie gefordert waren, dann schon ganz schön intensiv. Im „Fecit potentiam“ nicht weniger als in der „Sicut locutus“-Fuge. Haspels singende Hundertschaft offenbarte nur ganz selten einmal, welche knifflige Tücken in dieser polyphon gewebten Musik stecken.

Getragen wird Bachs „Magnificat“ von den Solisten, hier von Anna-Sophia Brosig und Doris Maria Ritter (Sopran), Janina Hollich (Alt), Stefan Sbonnik (Tenor) und Mathis Koch (Bass) – wobei das Duett „Et misericordia“ von Hollich und Sbonnik zweifellos zum Höhepunkt dieses Konzertes wurde. Knapp vier Minuten voller Expressivität und Wärme, voller balsamisch geformter Töne und viel Verständnis für die inhaltliche Botschaft dieser Musik.

Etwas mehr solchen Verständnisses hätte der dem „Magnificat“ vorangegangenen Motette „Jesu, meine Freude“ ganz gut getan. Stattdessen präsentierte das „ Ensemble 22 “ einen gleichförmigen Einheitsklang ohne viel Differenzierung, ohne das Bemühen um die Ausdeutung der Texte.

Auch an rhythmischer Präzision wie klanglicher Homogenität könnte diese klein besetzte Formation noch zulegen. So neigt der mädchenhaft gefärbte Alt zur Dominanz, der Bass dürfte mehr Tragfähigkeit bekommen.

Gleichwohl: die Begeisterung des Publikums war groß und der Applaus folglich lang.

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