Jan Vegter im Haus der Niederlande
Mit jedem Knall eine Wolke

Münster -

„Nichts da, kein Traum! Schau mal aus dem Fenster . . . Flugzeuge, komische Wolken . . . und bei jedem Knall kommt eine hinzu . . .! Verdammt! Da wird geschossen . . .! Krieg!?!“

Mittwoch, 27.07.2016, 07:07 Uhr

Die kindliche Hand schiebt den Vorhang zur Seite und schaut in den Himmel. Doch die Wolken, die der zwölfjährige Jan Vegter sieht, sind keine Wolken aus Wasser, sondern Qualm. Der Niederländer erlebt einen ersten Luftangriff mit.
Die kindliche Hand schiebt den Vorhang zur Seite und schaut in den Himmel. Doch die Wolken, die der zwölfjährige Jan Vegter sieht, sind keine Wolken aus Wasser, sondern Qualm. Der Niederländer erlebt einen ersten Luftangriff mit. Foto: Gerhard H. Kock

„Nichts da, kein Traum! Schau mal aus dem Fenster . . . Flugzeuge, komische Wolken . . . und bei jedem Knall kommt eine hinzu . . .! Verdammt! Da wird geschossen . . .! Krieg!?!“ Zwölf Jahre ist Jan Vegter, als er aus dem Fenster in Voorburg blickt. Kein Kind mehr, aber noch lange kein Mann. Nach über 60 Jahren erinnert sich der Niederländer an jenes gute halbe Jahr, an besondere neun Monate. „Ein seltsames Jahr“ heißt die Ausstellung im Krameramtshaus – eine bemerkenswerte Form der erinnerten Dokumentation.

Denn Jan Vegter ist mit einem fotografischen Gedächtnis gesegnet, das bereits in seiner Schulzeit auffällt. Nach seiner Pensionierung als Zeichenlehrer beginnt Vegter in den 90ern frei zu arbeiten und erstellt Mappen, in denen er seine Erinnerungen an die „Mai­tage“ 1940 festhält – von Deutschlands Überfall auf Polen und bis zur Besetzung der Niederlande .

„Das seltsame Jahr“ von Jan Vegter

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  • Foto: Gerhard H. Kock
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Die sachlich nüchternen, zugleich detailfreudigen Zeichnungen sowie die kurzen Texte vermitteln einen direkten kindlich kundigen Blick auf die Periode der Mobilmachung und den Anfang des Zweiten Weltkrieges . Für seine Arbeit hat sich Jan Vegter wieder in die Lage als Zwölfjähriger begeben, holt seine Beobachtungen von damals hoch. Sowohl Emotionen als auch Situationen vermag Vegter gegenwartsgenau wiederzugeben, als hätte er sie damals am nächsten Tag aufgezeichnet.

Anfang September 1939 (Deutschlands Überfall auf Polen) wundert sich Vegter, dass niemand der Erwachsenen Angst zu haben scheint. „Sie wissen doch, dass nun Krieg ist.“ Sein Vater wird als Leutnant der Reserve nach Meppel versetzt. Der Junge muss sich umgewöhnen. Offiziere treffen sich im Haus: „Beunruhigende Nachrichten von der Grenze.“ Grippe! Heimlich stöbert er herum – „in gefährlichem Zeug“: Waffen. Die Kinder dürfen in selbst gebastelten Feldmützen in der Schule erscheinen. Es kommen „sehr beunruhigende Nachrichten“ von der Grenze. Die Familie zieht sich nach Voorburg zurück.

Auf einer Zeichnung schiebt eine Kinderhand den Vorhang zur Seite: „Komische Wolken, und bei jedem Knall kommt eine hinzu.“ Luftangriffe. Messerschmitt-Geschwader. „Herr Kamiet“ wird „aus dem Schlaf heraus verhaftet“, ein niederländischer Reichsdeutscher und Nazi. Ein Reserve-Offizier, der nie ein Telefon haben wollte, nutzt nun das Telefon der Vegters und beschwert sich, dass kein Chauffeur ihn abholt. Rauchwolken ziehen über das Städtchen – Rotterdam wird bombardiert. Deutsche Truppen ziehen durch Voorburg. Jan Vegters Vater kehrt aus dem Krankenhaus heim. „Ein Granasplitter in seiner Hand. Er hatte noch Glück.“

Das alles wird ohne politische oder moralische Wertung erzählt. Betroffenheit, Traurig- und Nachdenklichkeit stellen sich beim wohlmeinenden Betrachter von alleine ein.

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Die Ausstellung ist bis zum 28. August im Haus der Niederlande, Alter Steinweg 6/7, zu sehen.

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