Virtuose begeistert beim Orgelsommer
Voller Klangrausch blieb die Ausnahme

Münster -

Wieder einmal war zu erleben, welch wunderbarer Orgelklang in Sankt Lamberti möglich ist. Am Samstagabend gastierte Johan Hermans, Domorganist an der Kathedrale St. Quintinus zu Hasselt, Belgien – ein Schwergewicht an den Manualen und Pedalen; ein Musiker, der ein riesiges Repertoire meistert und in dessen Vita weltweite Auftritte wie etwa in Notre-Dame (Paris) stehen. Was er der Schuke-Orgel entlockte, waren fein registrierte Klänge, vorzugsweise der französischen Schule. Ein Höhepunkt des diesjährigen Orgelsommers.

Sonntag, 14.08.2016, 16:08 Uhr

Johan Hermans an der Schuke-Orgel
Johan Hermans an der Schuke-Orgel Foto: Arndt Zinkant

Johan Hermans eröffnete mit der „Suite du Premier Ton“ des 66-jährigen Zeitgenossen Denis Bédard . Ein maßvoll modernes viersätziges Werk, das sofort mit feierlicher Aura und akkordischer Leuchtkraft gefiel. Der zweite Satz „Dialogue“ entspann sich fein ziselierend im neobarocken Duktus, und nach einem ruhigen Intermezzo kam das Stück zu einem farbigen, triumphalen Abschluss.

Aber solche Momente, welche den Klangrausch des Instruments auskosteten, waren die Ausnahme. Hermans spielte etliche Stücke, die in subtilen, changierenden Farben schwelgten. Der Choral h-Moll von César Franck zeigte die typischen Merkmale seines Stils. Sehr chromatisch und sehr französisch im Klang wirkte der Choral, der sich zu Beginn schwerblütig entfaltete, am Ende aber zu einem weichen, sanften Schluss fand. Massige Klangballungen hätte man auch bei Max Reger erwartet, doch sein Benedictus op. 59,9 ging andere Wege. Ein sphärisch und meditativ wirkendes Klanggemälde entschwebte den Orgelpfeifen.

Kurioserweise fügte sich sogar „Mad rush“ (1979) des Minimalisten Philip Glass ganz natürlich ins Programm ein. Die typischen Motivrepetitionen wimmelten im Forte oder Piano – und die Dauer des Stückes war dem Interpreten überlassen. Bei Hermans dauerte es knapp sieben Minuten.

Der Antwerpener Komponist Flor Peeters (1903-1986) stand am Ende. Mit Tokkata, Fuga und Hymne über „Ave Maris Stella“ schlug der Organist den Bogen zum Anfang – ein ebenfalls maßvoll modernes und ungemein klangprächtiges Werk.

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