Notik Dance Company präsentierte „INsideOut“
Zucken wie ein Roboter

Münster -

Der Anfang ist Lebensfreude pur. Solo, paarweise oder in der Gruppe fegen die Protagonisten über die Bühne. Alles ist leicht, die Welt gehört ihnen. Und das sieht man auch den Bewegungen an, die schiere Lust am Tanz zum Ausdruck bringen. Es sind die Möglichkeiten des Körpers, die hier mit beachtlichem Tempo und waghalsigen Schrittkombinationen zelebriert werden. Bis plötzlich das Licht wechselt und die Stimmung kippt.

Montag, 05.09.2016, 17:09 Uhr

Unbarmherzig steigert sich der Arbeitstakt in dieser Szene der Choreografie „INsideOut“.
Unbarmherzig steigert sich der Arbeitstakt in dieser Szene der Choreografie „INsideOut“. Foto: Tanzspektrum

Streetdance, Funk-Styles und ein kleiner Ausflug in die goldene Ära des Swing bestimmen die Gangart bei „ INsideOut “, der neuen Produktion der Notik Dance Company, die am Sonntagabend beim Tanzspektrum im Kleinen Haus des Theaters Münster Premiere hatte. Zusammen mit den Tänzerinnen Erika Knauer, Tanja Kupra und Vivien Musweiler hat Bruno de Carvalho eine ebenso dynamische wie abwechslungsreiche Choreografie entwickelt, die sich mit gesellschaftlichen Mustern beschäftigt und mit den Möglichkeiten, daraus auszubrechen. So steht es zumindest im Programm.

Auf der Bühne äußert sich das in Szenen, die unterschiedliche Lebenssituationen aufzeigen. So folgt auf den ausgelassenen Auftakt unmittelbar eine Stimmung des Zwangs und der Fremdbestimmung, bei der sich die Tänzer im kalten Licht wie Maschinen bewegen. Roboterhaft zucken die Arme und Beine, um einem vorgegebenen, sich unbarmherzig steigernden Arbeitstakt gerecht zu werden. Eine der Tänzerinnen versucht, sich die unangenehmen Gefühle vom Körper zu streifen. Immer heftiger und fahriger werden ihre Bewegungen, bis sie sich schließlich in einem furiosen Solo aus der Zwangslage befreien kann.

Eine andere Szene thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Es beginnt mit einer offensiven, latent aggressiven Nichtbeachtung des anderen und setzt sich dann tänzerisch mit einer Demonstration des eigenen Könnens fort. Zwar kommt es am Ende doch noch zu einer Annäherung, die allerdings nicht von Dauer ist. Dieses Fragmentarische, das der Existenz des Menschen anhaftet, zieht sich durch das ganze Stück. Betrieben wird hier, wie so oft auf der Bühne und im Leben, die Suche nach dem eigenen Ich. Als Mittel dazu dient der Tanz, den de Carvalho und seine Tänzerinnen in vielen Facetten durchexerzieren.

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