„Freuynde und Gaesdte“ präsentieren mitreißende Uraufführung von Keplers „Somnium“
Im Rausch des Raums

Münster -

Mit Schlafmütze und rotem Nachthemd erwacht der Mann in einem metallischen Sitzei. Er war wohl über die Lektüre seines Buches in einen tiefen Traum versunken. Oder erlebt er gerade diesen Traum als Wirklichkeit? Jedenfalls gelingt es ihm über einen böhmischen Hexen-Zauber und einen isländischen Dämon in unendliche Weiten zu reisen. So landet er auf dem Mond. Wir schreiben das Jahr 1608.

Sonntag, 06.11.2016, 16:11 Uhr

 Mit Sitzei, Rucksack und astronomischem Fernrohr: Schauspieler Helge Salnikau erobert in dem Stück „Somnium“ das Weltall – so wie es Visionär Johannes Kepler vor über 400 Jahren sah.
 Mit Sitzei, Rucksack und astronomischem Fernrohr: Schauspieler Helge Salnikau erobert in dem Stück „Somnium“ das Weltall – so wie es Visionär Johannes Kepler vor über 400 Jahren sah. Foto: pd

Dem Theaterensemble „Freuynde und Gaesdte“ gelingt mit der Inszenierung von Johannes Keplers Erzählung „Somnium“, deren Premiere am Freitag in Münster minutenlang gefeiert wurde, in mehrerlei Hinsicht ein Quantensprung. Regisseur Zeha Schröder verwandelt die bahnbrechenden Visionen von Kepler (1571-1630) nach über 400 Jahren in ein packendes Theaterstück von heute. Er inszeniert dieses kongenial im Planetarium des Naturkundemuseums Münster als surrealen Rausch an Szenen, Bildern, Texten, Geräuschen und Musik (von Allan Pettersson).

Fast das gesamte Planetarium wird bespielt, sogar in der gewaltigen Kuppel öffnen sich zwei Fenster wie durch Zauberhand, die als Schatten- und Scherenschnitt-Theater bespielt werden. Man will sich verwundert den Sternenstaub aus den Augen reiben. Ist das jetzt nicht doch eine Projektion? Durch die dreh- und neigbaren Sitze kann man das quirlige Ein-Mann-Spiel von Schauspieler Helge Salnikau aus verschiedenen Blickwinkeln gut verfolgen. Der spielt die zwei Seelen (naiv-staunender Mond-Wanderer und Forscher mit astronomisch-physikalischer Beweissucht) in der Brust des Protagonisten mit Elan, Körpereinsatz – beim Klettern schwindelfrei am Gerüst der Kuppel – und selbstironischer Note. So greift der Raumreisende auch mal behände zur Dose Ravioli, weil sein Magen grummelt wie ein Mondbär.

Hauptdarsteller des Stücks sind indes die multimedialen 3D-Effekte. In 360-Grad-Surround-Panoramen erscheinen in der Kuppel des Planetariums das stürmische Nordmeer und massive Schnee-Wüsten als packende Animationen (Matthias Ries und Marie Seeberger) ebenso zum Greifen nah wie die vielgestaltigen Sternen- und Planetenprojektionen von Dr. Björn Voss.

Johannes Keplers lunare Welt scheint immer präsenter zu werden, auch weil das Fantastische stets eine wissenschaftliche Erklärung erfährt. So treffen in „Somnium“ Science und Fiction magisch aufeinander – in der Frage, ob das, was wir auf der Erde zu sehen glauben, wirklich immer der Maßstab aller Dinge ist. Oder nicht auch der Mond.

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