„Green Attack“ von Gilsuk Ko im Wewerka-Pavillon
Beziehungen sind schwierig

Münster -

„Green Attack“ heißt die Ausstellung, weil die Farbe Grün bei Gilsuk Ko eine metaphorische Bedeutung bekommt. Grün ist die Farbe des Lebens, des Lebendigen in diesem Sinne geht Grün aus dem Natürlichen hervor. Wer das grüne Gefühl zu zwingen sucht, bekommt ein künstliches Gefühl, ein Gefühl mit Beigeschmack.

Montag, 07.11.2016, 21:11 Uhr

Gilsuk Ko stellt hier Rückmeldungen von anderen Menschen als bunte Ballons dar. Mittels T-Shirt will sie sich das Feedback aneignen.
Gilsuk Ko stellt hier Rückmeldungen von anderen Menschen als bunte Ballons dar. Mittels T-Shirt will sie sich das Feedback aneignen. Foto: Gerhard H. Kock

Vier Szenen, vier Spiele, vier schmerzhafte Erfahrungen. In der Ausstellung „Green Attack “ zeigt Gilsuk Ko im Wewerka-Pavillon Videos, auf denen Performances zu sehen sind – Monologe mit Spaghetti und Luftballons, Dialoge mit Luftballons und Wackelpudding. Und immer geht es bei der 1981 in Südkorea geborenen Künstlerin um Beziehungen.

Gilsuk Ko im Wewerka-Pavillon

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  • Foto: Gerhard H. Kock
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  • Foto: Gilsuk Ko

In der titelgebenden Performance „Green Attack“ steht Gilsuk Ko unter einem transparenten, ramponierten Regenschirm und wird von einer Leiter aus mit Wackelpudding beworfen. Die grüne Gelatine wird hierzulande Götterspeise genannt und aus Häuten, Sehnen und Knochen hergestellt. Der klatschende Regen aus lebendigem Grün wird so zu einer ironischen Attacke mit Künstlichkeit – weder nahrhaft für Körper noch Seele.

Diese Grün-Metapher findet auch in einem Performance-Solo Verwendung, in dem sich Ko bunte Luftballons umhängt. Die stehen stellvertretend für Rückmeldungen von anderen Menschen, Komplimenten vielleicht. Wenn die Künstlerin sich ein weißes T-Shirt überzieht, also gleichsam versucht, sich die Feedbacks einzuverleiben, zerplatzen die Ballons und geben grüne Flüssigkeit frei. Auf der einen Seite wird das Hemd auf diese Weise farbig, auf der anderen Seite wirkt es wie beschmutzt. Diese diffizile Ambivalenz im Austausch zwischen Menschen bringt Gilsuk Ko in ihren Arbeiten zum Ausdruck.

Erzählerisch wird dies in ihrem Performance-Dialog mit Luftballons. Sie und ihr Mann stehen sich dicht gegenüber, pusten grüne Luftballons auf, die sich berühren. Dann lässt er seinen los, der Ballon verflüchtigt sich wirbelnd. Sie pustet weiter, bis es knallt.

Das Verhältnis Körper und Raum erkundet Ko mittels Spaghetti, die sie Stück für Stück zwischen sich und eine Wand spannt. Ihr Körper erstarrt immer mehr, je mehr Kontakt entsteht.

Die vier Videos sind in eine abstrakte Wohnzimmer-Landschaft integriert mit Sitzbank, Fenster, Schrank und Bad. So wirkt „Green Attack“ wie ein Psychogram über die leidvolle Unterscheidung zwischen Beziehung und Berührung, zwischen Abgrenzungsbedürfnis und Verschmelzungssehnsucht.

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