Künstler-Blicke auf die Domstadt
Die Entdeckung Münsters

Münster -

Was sehen und empfinden Fremde in der lebenswertesten Stadt der Welt? Alida Bremer nach ihrer Ankunft 1987: einen „bleiernen Himmel“, der wie ein unsichtbarer Hut auf den Köpfen der Münsteraner lastet. Die flämische Autorin Carmien Michels: „eine Kirche für jeden Krieg, den diese Stadt überstanden hat“. Vier Künstler zeichneten beim Literaturverein im Theatertreff Bilder ihrer ersten Begegnung mit der Domstadt.

Mittwoch, 16.11.2016, 19:11 Uhr

Autoren und Fotografen beim Literaturverein (v. l.): Anna Eble, Carmien Michels, Hermann Wallmann, Sofie Knijff, Erik Lindner und Alida Bremer
Autoren und Fotografen beim Literaturverein (v. l.): Anna Eble, Carmien Michels, Hermann Wallmann, Sofie Knijff, Erik Lindner und Alida Bremer Foto: Wolfgang A. Müller

Sie alle wirken für das flämisch-niederländische Projekt Citybooks, das Autoren und Fotografen für zwei Wochen an fremde Orte entsendet, um Stadtporträts für www.citybooks.eu zu erstellen. Auf den Dichter Erik Lindner, der stets „auf der Suche nach Randgebieten“ sei, wirkte die Stadt allzu „rund“ und „fertig“. In seinem Gedicht „Roeiers op de Aasee “ („Ruderer auf dem Aasee“) legte er ein Schleppnetz aus, das sich zunehmend mit banalen Beobachtungen füllte und einen Sog von immer eiligeren Assoziationen entwickelte.

Die wie klassische Gemälde inszenierten Fotos von Sofie Knijff spiegeln Multikulturalität (inspiriert durch einen Friedenssaal-Besuch und das Sommerfest der Uni): Ein Kellner bei Stuhlmacher, eine Soldatin des deutsch-niederländischen Korps, ein Priester, Studierende. Die Slam-Poetin Carmien Michels entdeckte indes zwei Gesichter Münsters: die freundlichen Menschen, eine friedliche Atmosphäre – und eine blutige Geschichte. In ihrem Text, bei dem Anna Eble für das Publikum dolmetschte, setze sie sich wortgewandt und effektvoll auf die Spur der münsterschen Mentalität.

Dass deren Wurzel neben der Historie auch in einer Landschaft liegt, in der Orte wie Nienberge sich entgegen ihrem Namen als „enttäuschend platt“ erweisen, vermittelte Alida Bremer . Aus Kroatien stammend, verwand sie erst durch die „langsame und westfälische Freundschaft“ zu ihrem Nachbarn, der im Zweiten Weltkrieg als deutscher Marinesoldat womöglich gegen ihren Opa kämpfte, das Fehlen der mediterranen Lebensart. Münster habe sich diesbezüglich positiv gewandelt: „Mimigernaford – du hast es geschafft!“ Alida Bremer fühlt sich zu Hause.

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