Theater Titanick zieht Tourbilanz 2016
Straßentheater trotz Terrors

Münster -

Quer gestellte Müllwagen in Angers, Betonblöcke auf den Straßen in Montréal (Kanada). Das waren Maßnahmen der Veranstalter für die Straßenparade „Firebirds“ von Titanick, um einen weiteren Terrorakt wie in Nizza zu verhindern. Die Stimmung auf den „Open Air“-Festivals in Europa – aber auch darüber hinaus – änderte sich.

Freitag, 25.11.2016, 23:11 Uhr

Waghalsige Piloten kurven bei „Firebirds“ von Titanick durch den öffentlichen Raum, was in Terrorzeiten zu höherer Sicherheitssensibilität führt.
Waghalsige Piloten kurven bei „Firebirds“ von Titanick durch den öffentlichen Raum, was in Terrorzeiten zu höherer Sicherheitssensibilität führt. Foto: Theater Titanick

Quer gestellte Müllwagen in Angers, Betonblöcke auf den Straßen in Montréal ( Kanada ). Das waren Maßnahmen der Veranstalter für die Straßenparade „Firebirds“ von Titanick, um einen weiteren Terrorakt wie in Nizza zu verhindern. Die Stimmung auf den „Open Air“-Festivals in Europa – aber auch darüber hinaus – änderte sich, denn vor allem in Frankreich gehe die Angst um, und gleichzeitig wolle man sich nicht dem Diktat des Terrors beugen und alle Veranstaltungen im öffentlichen Raum verbieten, schildert Theaterchef Uwe Köhler in seiner Tourbilanz 2016 die neue Sicherheitslage für Straßentheater.

Die Veranstalter in Frankreich bemühen sich um eine kontrollierte Begleitung und dort, wo abgesperrte Plätze bespielt werden, werden Taschen und Rucksäcke kontrolliert, heißt es. Doch bei einer Straßenparade wie „Firebirds“, bei der fünf Piloten mit ihren Fluggefährten durch die Innenstadt fahren sei das schlicht unmöglich und daher hätten die Veranstalter im nordfranzösischen Angers von den Sicherheitsbehörden reichlich Auflagen zu erfüllen, schreibt das Theater Titanic. Neben den Müllwagen, die in allen zehn Seitenstraßen aufgestellt waren, die die Parade überquerte, wurden Polizisten und Militärs abgestellt. Es durften nur zwei Großveranstaltungen gleichzeitig in der City stattfinden: in diesem Fall das Fußballspiel der Ligue 1 von Angers und das Theaterfestival. Zahlreiche andere Veranstaltungen wurden abgesagt oder verlegt.

Uwe Köhler: „Ich kann nicht verhehlen, dass auch ich ein mulmiges Gefühl bekam, als ich auf dem Theaterplatz in Angers am Anfang der Inszenierung den Wettbewerb der Piloten ankündigte und 8000 Menschen dicht gedrängt vor mir sah. Unweigerlich kam der Gedanke hoch, dass ein Terrorist unter ihnen sein könnte. Ich musste den Gedanken schnell verdrängen, um nicht die Kontrolle zu verlieren.“

An zwei Tagen wurde die „Firebirds“-Parade aufgeführt – und es war ein voller Erfolg: Die 28 Akteure von Titanick mit ihren tollkühnen Maschinen (begleitet von neun Musikern der Fanfare „Le Snob“ und von 18 Darstellern vor Ort) verzauberten das Publikum. Es sei deutlich zu spüren gewesen, dass die Zuschauer in Frankreich weiterhin von Theater, Tanz, Musik und Performance im öffentlichen Raum verführt werden und sich diese Lebensqualität nicht nehmen lassen wollen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Höhepunkt der Saison 2016 waren die drei Aufführungen mit „Firebirds“ in Montréal (Kanada). Auch dort wurden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, und neben den Betonblöcken stand eine Menge Sicherheitspersonal, das Taschen kontrollierte. An einem Nachmittag wurden die pyrotechnischen Effekte für „Firebirds“ von den kanadischen Ordnungsbehörden unter Anwesenheit der Feuerwehr getestet. Obwohl über Mikrofon die Tests angekündigt wurden, wählten zahlreiche Anwohner die Notrufnummer, um der Polizei mitzuteilen, dass sie Schüsse und Explosionen gehört hatten . . .

Weitere Aufführungen fanden in Deutschland, Holland und Polen statt mit den Produktionen „Sonnambulo“ und „Hochofensinfonie“. Insgesamt sahen 56 000 Zuschauer die „Open Air“-Inszenierungen von Titanick.

Parallel wurde 2016 die neue Produktion von Theater Titanick in Leipzig entwickelt. Die Premiere von „Alice On The Run“ ist für Mai 2017 in Münster geplant.

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