Droste-Matinee zum 220. Geburtstag der Dichterin
Zwei unruhige Geister auf der Suche nach Antworten

Münster -

Zwei adelige Dichterpersönlichkeiten, die verschiedener kaum hätten sein können, standen im Mittelpunkt der Matinee der Droste-Gesellschaft im Erbdrostenhof. Adelbert von Chamisso und natürlich „Namenspatronin“ Annette von Droste-Hülshoff, deren Geburtstag sich am 12. Januar zum 220. Mal jährte.

Sonntag, 15.01.2017, 16:01 Uhr

Hille Perl umrahmte die Matinee mit feinen Musikstücken auf der Gambe.
Hille Perl umrahmte die Matinee mit feinen Musikstücken auf der Gambe. Foto: Wolfgang A Müller

Musikalisch eingerahmt wurde der traditionelle Auftakt des Veranstaltungsjahres der Gesellschaft von Hille Perl. Auf der Viola da Gamba interpretierte die renommierte Bremerin Musik der Renaissance, des Barock und auch zwei Kompositionen der musisch vielseitigen Westfälin. Deren Biografie und Werk kontrastierte Dr. Walter Erhart, Germanistikprofessor an der Universität Bielefeld , in seiner Festrede unter dem Motto „Nähe und Ferne“ mit einem ihrer Zeitgenossen, Adelbert von Chamisso .

Dabei kam zur Sprache, was das Adelsfräulein und den „Autor mit Migrationshintergrund“ (Chamissos Familie war vor der Französischen Revolution geflüchtet) durchaus verband: ein sehnsuchtsvoller Drang, „eine Ortlosigkeit, in der sich die Romantiker alle befanden“. Chamisso und die Droste , so Erhart, „durchqueren von verschiedenen Seiten dasselbe Problem“. Wissen und Glauben seien jeweils die unterschiedlichen Wege, von denen die beiden sich Antworten auf ihre romantische Unruhe versprechen. Chamisso verwirft seine frühere poetische Schwärmerei und wendet sich der wissenschaftlichen Erkundung der Welt zu, die er an Bord des russischen Kriegsschiffes „Rurik“ umsegelt. Die Droste, deren „Horizont abgeschnitten“ und lokal fixiert erscheint, sucht in spirituellen Betrachtungsmustern nach Auswegen, nach einem Herz, das „für die ganze Schöpfung Raum“ bieten kann. Beide können ihre Sehnsüchte schließlich dennoch nicht stillen. Chamisso verfällt der Skepsis. Annette hingegen „verfügt souverän über die Zeiten“, die in unserer fortschrittsgläubigen Welt global vereinheitlicht worden sind.

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