„Tage der Barockmusik“ in der Clemenskirche mit Stringent
Italienische Leichtigkeit bei Eiseskälte

Münster -

Die Münsteraner lieben es barock. Dies bestätigte sich am Sonntagabend anlässlich des Eröffnungskonzertes der „Tage der Barockmusik“ mit „Stringent“ und dem „Artist in Residence“ Attilo Cremonesi aufs Neue.

Montag, 16.01.2017, 21:01 Uhr

In der barocken Clemenskirche gab es das erste Konzert der „Tage der Barockmusik“.
In der barocken Clemenskirche gab es das erste Konzert der „Tage der Barockmusik“. Foto: Ulrich Coppel

Die Münsteraner lieben es barock. Dies bestätigte sich am Sonntagabend anlässlich des Eröffnungskonzertes der „Tage der Barockmusik “ mit „Stringent“ und dem „Artist in Residence“ Attilo Cremonesi aufs Neue. Mit italienischer Leichtigkeit riss der hochgelobte Cembalist das bestens aufgelegte Streicherensemble aus den Reihen des Sinfonieorchesters mit. „Barocco Italiano“ befeuerte schließlich alle im Publikum. Für eine gute Stunde waren die eisigen Temperaturen, auch innerhalb der Kirche, vergessen.

Blitzsauber und keineswegs festgefroren oszillierte die unendliche Langsamkeit des Adagios aus Arcangelo Corellis „Concerto grosso op. 6 Nr. 12 F-Dur“ ganz zu Beginn des Abends. Violinistin Midori Goto fegte im anschließenden Allegro alle Zweifel beiseite: Hier waren ausnahmslos Meister mit größter Spielfreude am Werk. Mit einer virtuosen kleinen Kadenz hinein in den nächsten Satz unterstrich Cremonesi seine Liebe zum Detail. Giovanni Legrenzis typisch italienisch-barocke Triosonate op. 10 Nr. 6 e-Moll klang in verkleinerter Besetzung wie ein zarter Nachklang zum fulminanten Auftakt.

Auch manche Komposition des englischen Barockmeisters Henry Purcell zeugt von tiefer Beschäftigung mit der so berauschenden italienischen Stilistik dieser Zeit. Gleich fünf seiner Stücke wurden dargeboten. Geschickt wurden durch manch komplexere Werke (wie die berühmte Chaconne g-Moll) Kontraste zu den charmanten italienischen Miniaturen gesetzt. Ein jeder verstand sich in den unvergleichlich feinen Puls hinein zu fügen.

Mit Michele Mascittis „Concerto grosso op. 7 Nr. 3, G-Dur“ beschlossen Cremonesi, Goto und „Stringent“ das Konzert mit ganz ähnlicher Musik wie zu Beginn. Cremonesi erläuterte dem begeisterten Publikum vor der Zugabe kurz seine Empfindungen zum darauf erneut folgenden Corelli-Adagio. „Bei der unendlichen Langsamkeit dieser Musik wähne ich mich an der Piazza Navona in Rom bei einem teuren Kaffee die Leute beobachten und die freie Zeit genießen.“ Wer seinem Publikum ein „La dolce Vita“ Gefühl bei Eiseskälte zu vermitteln vermag, hat Großes geleistet. Stehende Ovationen.

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