„Homo sapiens sapiens. Sapiens?“ im Overberg-Kolleg
Marsianer prüfen Ankömmlinge auf Herz und Nieren

Münster -

Sie tragen blaue Latzhosen und Brillen mit Binärcode auf den Gläsern. Damit können sie in die Vergangenheit schauen. Die Vergangenheit, das ist das Jahr 2017. Denn „Homo sapiens sapiens. Sapiens?“ ist Science-Fiction-Theater, das die politischen und gesellschaftlichen Zustände aus der Retrospektive unter die Lupe nimmt. 17 Schüler des Overberg-Kollegs haben das Stück zusammen mit Regisseurin Karin Badde-Struß entwickelt. Am Samstag war Premiere.

Sonntag, 19.02.2017, 16:02 Uhr

Diese Zukunftsmenschen blicken tief zurück in die Vergangenheit – wo das Verhängnis seinen Lauf nahm.
Diese Zukunftsmenschen blicken tief zurück in die Vergangenheit – wo das Verhängnis seinen Lauf nahm. Foto: Jasny

Was der Zuschauer bei diesem Rückblick zu sehen bekommen, ist nicht sehr positiv. Rassismus, Übergriffe und Terror bestimmen das Bild, und bald bricht die Gesellschaft auseinander. Damit sind die Weichen für die Zukunft gestellt, die im Stück Gegenwart ist. Wir befinden uns im Jahr 2070, und der Mars ist inzwischen besiedelt. Dorthin hat sich eine wissenschaftliche Elite geflüchtet und prüft jeden auf Herz und Nieren, der zu ihnen will. Dass eine solche Prüfung schon mal tödlich enden kann, muss als Kollateralschaden gewertet werden. Bedauerlich, aber nicht zu ändern.

Auf der Erde gibt es die Undergrounder und die Erdlinge. Erstere sind Arbeiter, die in unterirdischen Fabriken das Ganze am Laufen halten. Letztere erweisen sich als eine Art Lumpenproletariat, das auf Müllkippen nach Essbarem sucht und sich in der Not gegenseitig auffrisst. Auch haben sich die Machtverhältnisse verändert. So wird in Syrien gerade ein neuer Freizeitpark eröffnet, während Flüchtlinge aus Deutschland an der Grenze stehen, weil ihr Land durch Abschmelzen der Polkappen überflutet wurde.

Eigentlich ist das alles recht düster. Dass die Aufführung trotzdem Spaß macht, liegt an der Herangehensweise, bei der unterschiedliche Utopien mit viel Fantasie und Spielfreude durchexerziert werden. Es gibt intergalaktische Partnervermittlungen und genetische Nachwuchsoptimierungsprogramme. Drohnen schweben über den Köpfen der Zuschauer, und in den Mars-Laboratorien streitet man, was bei einer neuen Spezies Mensch im Vordergrund stehen soll: Schönheit, Intelligenz oder gar Charakter? Eine ebenso originelle wie unterhaltsame Vorstellung.

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Letzter Aufführungstermin des Stücks: heute (Montag) um 20 Uhr im Overberg-Kolleg, Fliednerstraße 25.

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