Brecht-Stück originell inszeniert
Aus Flüchtlingen werden Jecken

Münster -

Gutes Sitzfleisch brauchten die Premierenbesucher im Bennohaus am Samstagabend. Über drei Stunden dauert die neueste Inszenierung vom Theater in der Kreide: Bertolt Brechts „Guter Mensch von Sezuan“. Das Stück zeigte eine beeindruckende Vielfalt der Schauspieler, ob in den Haupt- oder in den Nebenrollen. Alle bewiesen große Wandelbarkeit und verkörperten ihre verschiedenen Parts überzeugend. Raffiniert wurden Szenenwechsel von atmosphärischen Perkussionsklängen von Thomas Schnellen überbrückt: Wenige Gegenstände reichten, um asiatisches Ambiente zu symbolisieren. Die Umbauten bewerkstelligten die Schauspieler selbst.

Sonntag, 19.03.2017, 16:03 Uhr

Jecken im Brechtstück: Das ist ungewöhnlich.
Jecken im Brechtstück: Das ist ungewöhnlich. Foto: Maria Conlan

Regisseur Reinhard Stähling schuf eine Inszenierung , die keine Antworten auf dem Tablett serviert, aber Stoff zum Nachdenken liefert und immer wieder das Publikum einbezieht. Schon vor der Vorstellung beginnt die Show, auch in der Pause wird das Warten spielerisch überbrückt. Flüchtlinge werden zu kölschen Jecken, die mit Kamelle, Witzen und „Kölle alaaf“-Rufen die Verfremdung schlechthin verkörpern. Verfremdend auch die Dialekte, die einzelne Rollen charakterisieren: Sächsich (Anja Knösing), Bayerisch (Norbert Kauschitz) und Münsterländer Platt (Karsten Ritter). Es lebe das Brechtsche Spiel mit dem Spiel.

Petra Schulte überzeugt als Hure Shen Te und Shui Ta (Geschäftsmann). Kolja Eicker spielt im Grunde den gesamten Abend durchgehend: auf der Bühne, vor der Bühne, im Café, zusammen mit Norbert Kauschitz, der das Spiel mit dem Feuer liebt, auch im übertragenen Sinne in seiner Rolle als stellungsloser Flieger Yang Sun . Kathrin Kauschitz ist Tanzmariechen und Hure. Besonders hervorzuheben ist Anja Knösing, die an dem Abend fünf verschiedene Rollen übernahm – und das jeweils konsequent und beeindruckend, dass es eine wahre Freude war, ihrem Spiel zuzuschauen.

Die nächsten Aufführungen sind für Senden, Lüdinghausen und Havixbeck geplant.

 

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