Kammerchor Herz-Jesu singt die Johannes-Passion
Von majestätischer Größe

MünsteR -

Kaum hatte der Eingangschor in angemessener Schwere eröffnet, vibrierte die Mutterhauskirche geradezu vor Dramatik: Welch ein Evangelist war hier angetreten, von der Passion Christi Zeugnis zu geben! Tenor Daniel Johannsen referierte keinen Takt lang in mönchischer Strenge, sondern schlug aus Bachs revolutionär komponierten Rezitativen feurige Funken. Die übrigen Gesangssolisten gingen mit ähnlicher Kraft zu Werke – und bildeten so einen Kontrapunkt zur fein austarierten Chorarbeit, die Michael Schmutte und der Kammerchor an der Herz-Jesu-Kirche am Samstag zelebrierten. Die Johannes-Passion, Bachs früheste Passionsvertonung, beeindruckte das Publikum tief.

Sonntag, 02.04.2017, 16:04 Uhr

Schlussbild: Stefan Zenkl (Bass), Nicholas Spanos (Countertenor), Michael Schmutte (Leitung), Catalina Bertucci (Sopran), Daniel Johannsen (Tenor) und Michael Nonhoff (Bass) nehmen den Schlussapplaus entgegen.
Schlussbild: Stefan Zenkl (Bass), Nicholas Spanos (Countertenor), Michael Schmutte (Leitung), Catalina Bertucci (Sopran), Daniel Johannsen (Tenor) und Michael Nonhoff (Bass) nehmen den Schlussapplaus entgegen. Foto: Zinkant

Das Werk steht im Schatten der unvergleichlichen Matthäus-Passion und wird entsprechend seltener aufgeführt. Sie verströmt im Vergleich eine deutlich größere Strenge; Schmutte füllte diese mit subtiler Klanglichkeit und doch der nötigen Emotion aus. In der Feinarbeit war diese Passion ein „typischer Schmutte“ – nicht einmal die Turba-Chöre, welche Volkszorn oder geifernde Masse darstellen, legte der Chorleiter als rasenden Sturm an, der den Schönklang aus den Ohren verlieren könnte. „Bist du nicht seiner Jünger einer?“, wurde Petrus im Gefolge wirbelnder Streicher zur Rede gestellt. Diese Verleugnungs-Szene war ein virtuoses Flirren, an dessen Ende wiederum Daniel Johannsen als Evangelist mit klagenden Koloraturen das bittere Weinen Petri musikalisch paraphrasierte.

Und Jesus selbst? Ein strenger Bass von majestätischer Größe, nie Opferlamm, stets viriler Widerpart des Hohepriesters wie des Pilatus. Michael Nonhoff (Jesus) und Stefan Zenkl (Pilatus) zelebrierten ein Duell der Bässe von wahrhaft biblischer Macht. „Du sagst’s, ich bin ein König.“ Bach zentriert zwar die Gerichtsszene, füllt das Geschehen aber mit der klagenden Schönheit der Arien, etwa der Bass-Arie (Stefan Zenkl) „Betrachte, meine Seel, mit ängstlichem Vergnügen“. Die hohen Parts waren mit dem exzellenten Countertenor Nicholas Spanos und dem hellen Lerchensopran von Catalina Bertucci (leider nur zwei Arien) besetzt. Das Norddeutsche Barockorchester lieferte zwar erlesenen Originalklang inklusive Basslaute, kam aber selten aus der Reserve. Indes: Das Streicher-Seufzen im Schlusschor „Ruhet wohl, ihr heiligen Gebeine“ klang wunderschön.

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