Kunst wächst bis zur Fritteuse
Samuel Treindl macht mit „Antistatika“ den Wewerka-Pavillon zum bunten Gewächshaus

Münster -

Wer weiß, vielleicht mögen Kartoffeln die Farbe Rosa. Wenn Kühe bei Beethoven mehr Milch geben . . . Samuel Treindl indes ist kein Bauer, sondern Künstler, und die Entscheidung, seine gemüsige Installation im Wewerka-Pavillon mit einer rosafarbenen Folie auszuschlagen, eine ästhetische. Hinzu kommt vielleicht ein bisschen Energie-Mystizismus.

Montag, 10.04.2017, 21:04 Uhr

In elf Wochen ist Ernte: Samuel Treindl definiert den Wewerka-Pavillon als Gewächshaus und lässt dort Kartoffeln wachsen. Das Regenwasser wird vom Dach in die Erdsäcke weitergeleitet – ein autonomes „ästhetisches Ökosystem“.
In elf Wochen ist Ernte: Samuel Treindl definiert den Wewerka-Pavillon als Gewächshaus und lässt dort Kartoffeln wachsen. Das Regenwasser wird vom Dach in die Erdsäcke weitergeleitet – ein autonomes „ästhetisches Ökosystem“. Foto: Gerhard H. Kock

Treindl macht die Glasvitrine am Aasee zum Gewächshaus und nennt die Arbeit „Antistatika“, weil sich die rosa Industriefolie nicht gleich bei jeder Reibung elektrisch auflädt und so zum Beispiel sensible Elektrogeräte schützt. Vielleicht sind Kartoffeln ja auch sensibel für energetische Ströme.

Hoffentlich werden die Erdknollen nicht hochmütig. Schließlich erhielten die sechs mal neun Pflänzchen in der Kunsthalle gleichsam eine „ästhetische Früherzieung“. Als Setzlinge wurden sie nun ausgerechnet in edle „Tomaten-Erde“ gesteckt. Das anarchisch wuchernde, kühle Grün soll die warme Farbe der rosaroten Wolke (die Folie lässt den Wewerka-Pavillon leuchten) stören. Das wachsende Grün im Inneren wird dann sicher verstärkt durch das Grün der Umgebung.

Samuel Treindl im Wewerka-Pavillon

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  • Foto: Gerhard H. Kock
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  • Samuel Treindl im Wewerka-Pavillon Foto: Gerhard H. Kock
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Das ästhetische Ökosystem

Das Standard-Gelb der Schläuche ist ein passender Zufall. Das ästhetische Ökosystem wird sich selbst überlassen und ist zu diesem Zwecke mit der Regenwasser-Ableitung des Pavillons mit seinen gelben Zickzack-Rohren verbunden. Treindl hat in einer der Ableitungsrinnen eine Auffangkons­truktion mit ebenfalls gelben Rohren gebaut. Blaue Tonnen fangen den Regen auf, so er denn bald kommt. Gelbe Wasser-Versorgungsschläuche lassen das Nass in die 54 aufgeschlitzten 40-Liter-Säcke tröpfeln. Die hat der Künstler jeweils durchmassiert, damit die Erde sich locker auf dieses Wachstum einlassen kann.

Wer beutet hier wen aus?

Die Installation spielt mit den Gedanken von System und Parasiten. Wobei die Frage ist, wer hier wen ausbeutet? Die Kunst die Natur oder umgekehrt? Vielleicht handelt es sich eher um eine Symbiose; es gewinnen also beide, und keiner nimmt Schaden. Denn das „Wewerka“-Wasser vom Dach wäre im Boden nutzlos versickert. Das noch kleine Kraut der Kartoffel wirkt – wie es so aus dem aufgeschlitzten „Leib“ der Beutel wächst – ein bisschen wie ein Alien. Und dann noch aus Erde für Tomaten. Aber schließlich stammen beide, Knolle und Frucht, aus der Familie der Nachtschattengewächse – eine Sippe mit giftigen Geheimnissen (deshalb Tomaten reifen lassen, und Kartoffeln kochen!)

„Frittier­skulptur“

In Anschluss an eine öffentliche Ernte-Aktion zum Ende der Ausstellung sollen die Kartoffeln in einer eigens dafür angefertigten „Frittier­skulptur“ zu Pommes frites verarbeitet und diese verschmaust werden.

Zum Thema

Die Vernissage ist am Dienstag (11. April) um 19 Uhr am Wewerka-Pavillon (Kardinal-von-Galen-Ring / Torminbrücke). Die Kartoffelernte ist am 26. Juni um 18 Uhr. Bis 23. April ist Treindl auch mit dem Projekt „Produktionsblase“ in der Kunsthalle Münster zu sehen.

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