St. Lamberti: Auftakt der Messiaen-Reihe
Atmende Musik – waberndes Licht

Münster -

Töne hören und dazu spontan Farben sehen (ohne Einfluss von Drogen) nennt man Synästhesie. Komponist Messiaen war ein solcher Synästhet, und Musik und Farben hatten deshalb bei ihm eine enge Bindung. Sein siebenteiliger Zyklus „Les Corps Glorieux“ eröffnete am Sonntagabend die Reihe „Olivier Messiaen zum 25. Todestag“, gespielt von Lamberti Organist Tomasz A. Nowak.

Montag, 17.04.2017, 17:04 Uhr

Farbig illuminiert wurde das Messiaen-Konzert.
Farbig illuminiert wurde das Messiaen-Konzert. Foto: Eickhoff

Nowak lotete jeden Takt, jede Nuance dieser vielschichtigen, die Klangflächen atmenden Musik aus – technisch brillant, voller Ausdruck und bereit, sich teils ganz zurück zu halten.

Bibelzitate erläutern die Visionen und stehen für den Organisten im Untertitel der Sätze in den Noten, für die Zuhörer waren sie im Programmheft abgedruckt. Markus L. Gröger las sie vor Beginn der Sätze vor. Christoph Schulz und Johannes Sundrup sorgten für Illuminationen, unterstützt von einem kräftigen Nebelwerfer. Es gab lediglich Kerzenlicht in den Seitenschiffen.

Zartes, flüchtiges, monodisches Suchen zeichnet musikalisch den ersten Satz „Subtilité de corps glorieux“ („Die Feinheit der verklärten Leiber“) aus. Nowak legte den Satz leicht drängend an. Ein gelungener zweiter Satz folgte, dann der dritte: „L’ange aux parfums“ („Der Engel mit dem Räucherwerk“) – viel Weihrauch und Nebel wallten durch den Chorraum, das Licht wechselte häufig von Rosa über Violett zu Grün. Hübsch anzusehen, aber nicht zwingend zur Rezeption dieser farbigen Musik notwendig und nicht unbedingt mit der Musik gekoppelt.

Sehr tiefe Register knarzten und grummelten im „Combat de la mort et de la vie“ („Kampf zwischen Leben und Tod“), der Chorraum wurde dazu Rot bis Violett beleuchtet. Nowak schaffte die vertrackte Polyphonie mit den fordernden Pedalen anscheinend spielend, aus dem wohl überlegten Chaos des Kampfes kam am Ende die schlichte Melodie über dem folkloristischen Bordun hervor, von Novak zart registriert. Das Altarkreuz wurde dazu erst Violett, dann silbrig, später golden erleuchtet.

Weißes Licht und viel Nebel gab es zum letzten Satz, „Le mystère de la Sainte Trinité“ („Das Geheimnis der Heiligen Dreieinigkeit“). Als am Ende des Zyklus die Orgel schwieg wehten, sehr irdisch, sanfte Panflötenklänge vom Prinzipalmarkt herein. Messiaen hätte sicher gelächelt. Nowak zog anschließend mit einer Choral Improvisation von Charles Tournemire (bearbeitet von Maurice Duruflé) nochmals alle Register und brillierte mit sauberster Technik.

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