Tom Schilling im Gleis 22
Der neue Romantiker

Münster -

Nach Schweighöfer jetzt also Schilling: Wieder ein Schauspieler, der glaubt Musik machen zu müssen. Doch der „Oh Boy“-Darsteller konnte bei seinem Konzert im Gleis 22 durchaus überzeugen.

Donnerstag, 04.05.2017, 16:05 Uhr

Tom Schilling ist nicht nur als Schauspieler unterwegs. Gerade ist mit seiner Band The Jazz Kids auf Tournee (hier in Hannover), um sein Debütalbum „Vilnius“ zu promoten.
Tom Schilling ist nicht nur als Schauspieler unterwegs. Gerade ist mit seiner Band The Jazz Kids auf Tournee (hier in Hannover), um sein Debütalbum „Vilnius“ zu promoten. Foto: dpa

Sven Regener , Sänger der Band Element of Crime, hätte ein Wort für diesen Abend gehabt: Romantik. Auf der Bühne im sehr gut gefüllten Gleis 22 steht aber ein anderer Künstler: Schauspiel-Star Tom Schilling mit seiner Band The Jazz Kids. Eine Formation, die sich bei den Dreharbeiten zum preisgekrönten Film „Oh Boy“ zusammengefunden hat und danach weitere Pläne schmiedete.

Musikalisch ist eine deutliche Nähe zur Regener-Band zu spüren. Schillings Songs sind kleine Moritate, wie die „Ballade von René“ oder „Draußen am See“. Letzteres zeigt deutliche Bezüge zu Nick Caves Murder-Ballad „Where the Wild Roses Grow“ auf. Meist haben seine Songs eine melancholische Grundtendenz, seltener geht es musikalisch mal zügiger zu wie bei der wunderbaren Single-Auskopplung „Kein Liebeslied“, deren Zeile „Heute Nacht wird geputzt, damit nichts von dir bleibt“ auf den Merchandising-Devotionalien am Ausgang des Veranstaltungsort aufgedruckt ist.

Überzeugender Frontmann

Schilling ist nicht der begnadetste Sänger. Das weiß er – und kokettiert auch damit, dass er kein guter Gitarrist ist, was ebenfalls nicht schlimm ist. Das, was das Quintett an Spielspaß vermittelt, schwappt unmittelbar auf das Publikum über. Beim zweiten Stück möchte der sympathische Schauspieler eine Ansage machen, während die Jazz Kids bereits den nächsten Song spielen. Und schon flachsen die vier Jungs darüber, dass ihr Sänger keine Ansage machen sollte. Ein Running-Gag, der sich bis zur dritten Zugabe durchzieht.

Neben den zehn Songs des Debütalbums „ Vilnius “ gibt es eine schleppende Coverversion des Ton-Steine-Scherben-Klassikers „Der Turm stürzt ein“ und eine an Nico (Velvet Underground) erinnernde Version des „Lied vom einsamen Mädchen“, das bereits Hildegard Knef im Film „Alraune“ sang. Dazu tanzt der 35-jährige Berliner ein wenig, streicht sich des Öfteren die Haare aus dem Gesicht und überzeugt in der Rolle des Frontmanns.

Romantische Strömungen

Schillings Stärke sind eindeutig die Stücke, die an das Zeitalter der Romantik erinnern. Am überzeugendsten ist dann auch das Lied „Kalt ist der Abendhauch“, dessen Titel an das Gedicht „Abendlied“ von Matthias Claudius erinnert. Auch einer, der von romantischen Strömungen beeinflusst war.

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Knapp eineinhalb Stunden dauert das zweite Konzert der ersten Tour als Sänger. Und es war viel besser als die Versuche manch anderer Mimen, mit Musik erfolgreich zu sein. Nicht vergessen zu erwähnen sollte man die stimmungsvolle Vorband Matthew Matilda, die den Konzertabend adäquat eingeleitet hat.

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