Max Raabe und das Palastorchester
„Kein Schwein“ auf Weltreise

Münster -

Kurz nach der Pause ist die Stimmung in der Halle Münsterland unter den rund 1600 Fans des Palastorchesters mit seinem Sänger Max Raabe auf dem Siedepunkt. Da nämlich intoniert der aus Lünen stammende Bariton (54) seinen Hit „Kein Schwein ruft mich an“, und das famose Orchester mit einer Dame und elf Herren zieht den Melodienbogen durch den halben Erdkreis.

Sonntag, 07.05.2017, 16:05 Uhr

Max Raabe und sein Palastorchester spielten, was das Publikum hören wollte.
Max Raabe und sein Palastorchester spielten, was das Publikum hören wollte. Foto: Markus Lehmann

Plötzlich klingt es russisch, dann jault der Kontrabass fernöstlich, schließlich gipfelt der Song swingend amerikanisch. Raabe und seine Mitstreiter befinden sich wieder auf Tournee , die westfälische Heimat gehört alle zwei Jahre selbstverständlich auf den Tourplan. Diesmal steht unter dem Motto „Das hat mir noch gefehlt“ der Griff ins große Potpourri auf dem Programm. 600 Lieder haben sich in über einem Vierteljahrhundert „ Palastorchester “ angesammelt, die Fans durften im Herbst vergangenen Jahres online wählen, was sie denn gerne hören wollten.

„Kein Schwein“ dürfte sicher dabei gewesen sein, aber das Lieblingslied, so verkündete Raabe seinem Publikum, sei in Wirklichkeit ein Chanson, nämlich „La Mer“ von Charles Trenet . Den sang der ausgebildete Opernbariton derart inbrünstig und so sämig orchestral unterlegt, dass es sicher dem einen oder anderen Gast ein Sehnsuchtstränchen ins Auge trieb.

Brachte Teil zwei des Konzerts die beliebten Knaller vom „Grünen Kaktus“ über „Wer hat Angst vor dem bösen Wolf“ bis hin zu „Dort tanzt Lulu“, so kreiste Teil eins mehr um Liebeslust und -weh; denn letztlich, so verkündete Raabe mit unnachahmlichem Schlafzimmerblick, dreht sich doch alles um Fragen wie „Wie findet man sich?“ und „Wie wird man sich wieder los?“. Eher zum Schmunzeln also Songs wie „Herr Ober, zwei Mokka, für Baby und für mich“ oder „Sie hat die Schönheit von Mama und das Geld von Papa“, eher besinnlich und sehnsuchtsvoll Zeilen wie „Bei dir war es immer so schön“ oder „Du weißt nichts von Liebe“. Fast alles Rhythmen und Texte aus jener lebenstrunkenen Weimarer Zeit der 20er und frühen 30er Jahre. Fehlte nur etwas Platz im Parkett, und man hätte zu vielen Fox-, Walzer-, Rumba- und Tangomelodien von Erwin Bootz bis Ralph Maria Siegel (Vater) auch tanzen können.

Raabe brütet, so heißt es, nach jahrelanger erfolgreicher Kooperation mit Annette Humpe („Küssen kann man nicht alleine“) über einem neuen Album poppiger Songs. Damit wird er ab 2018 auf Reise gehen.

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