Hector Berlioz’ „Grande Messe des Morts“ im Paulus-Dom
Fanfaren aus allen Winkeln

Münster -

Ein solches Werk ist wie für den münsterschen Dom geschaffen. Wo sonst könnte man vier Bläserensembles von fern aus allen Richtungen schmettern lassen? Ehrfurcht gebietend rüttelt das „Jüngste Gericht“ an den Säulen des Domes. 

Sonntag, 07.05.2017, 16:05 Uhr

Fabrizio Ventura leitete mitreißend die „Grande Messe des Morts“, die in den Hallfluten des voll besetzten Paulus-Doms ihren spektakulären Klang entfaltete.
Fabrizio Ventura leitete mitreißend die „Grande Messe des Morts“, die in den Hallfluten des voll besetzten Paulus-Doms ihren spektakulären Klang entfaltete. Foto: Markus Lehmann

Hector Berlioz , das eigensinnige Genie der französischen Romantik, bietet in seinem Requiem („Grande Messe des Morts“) gigantische Kräfte auf: Bei der Pariser Uraufführung 1837 waren vier Hundertschaften im Einsatz. Die von Fabrizio Ventura mitreißend geleitete Aufführung war gegenüber jenem romantischen Übermaß natürlich abgespeckt, wirkte in den Hallfluten des Domes aber immer noch spektakulär.

Selten wurde das Spannungsfeld von Todesangst und Hoffnungsschimmer so individualistisch ausgedeutet wie von Berlioz. Das Publikum im voll besetzten Dom zeigte seine Begeisterung mit minutenlangen Ovationen. Den hatten sich alle Beteiligten wahrhaft verdient. Drei Chöre waren formiert: Der Philharmonische Chor , der Konzertchor und die Capella Vocale. Vier Orchester stellten die insgesamt 140 Instrumentalisten – das Sinfonieorchester Münster , das Orchester der Musikhochschule sowie zwei Ensembles der Musikschule. Donnerwetter! Wann sieht man zum Beispiel sieben Fagotte in Reih und Glied sitzen?

Die Holzbläser können sich indes nur in den leisen, innigen Passagen behaupten – und die klingen, gerade wegen der vorherrschenden Bombastik, besonders innig. Leise hebt das Werk auch an. Introitus (Requiem und Kyrie eleison): Der Anfang ist mit lang ausgehaltenen Tönen ein Mysterium. Bereits in diesem ersten Satz ringen Tod und Hoffnung dramatisch miteinander, grimmige Bässe, liebliche Soprane. Der Chor zeigt sich kraftvoll und klangschön, Ventura geht sogleich in medias res und lässt die Kontraste wuchtig ausmusizieren.

Auch das folgende „Dies irae“ überrascht formal. Was bei Mozart noch als höllischer Ritt daherstürmte, wirkt bei Berlioz statisch. Die Ruhe vor dem Sturm – der beim Tuba mirum mit Fanfaren aus allen Dom-Winkeln losbricht. Blech-Akkorde, die wie goldene Hammerschläge an die Mauern prallen. Wie, so fragt man sich, soll das noch gesteigert werden? Gar nicht. Berlioz geht eigene Wege, die vom Dunkel zum Licht führen.

Da wäre etwa die triumphale Klangwoge des Lacrimosa. Und im Sanctus-Teil gönnt uns der Bach-Verächter Berlioz eine veritable Hosanna-Fuge, die der Riesenchor gut bewältigt. Im Sanctus meldet sich auch der Solo-Tenor das einzige Mal zu Wort. Youn-Seong Shim singt von der Kanzel mit viriler Kraft, gegen die sich die Chorsoprane um so süßer ausnehmen.

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