Wolfgang Weikert ist neuer Vorsitzender der Musik- und Theaterfreunde
Theater muss auch Zumutung sein

Münster -

Die Musik- und Theaterfreunde bestehen in diesem Jahr seit 65 Jahren. Noch vor dem Theater-Neubau im Jahr 1956 wurde die Besucherorganisation gegründet. In diesem Frühjahr wählten die Mitglieder Dr. Wolfgang Weikert zum Nachfolger von Christiane Wecek-Hambrock als Vorsitzende. Gerhard H. Kock von den Westfälischen Nachrichten sprach mit Weikert, der auch Mitglied im Kulturausschuss ist, über das Theater, die Freunde und Kooperationsmöglichkeiten.

Dienstag, 09.05.2017, 10:05 Uhr

Wolfgang Weikert möchte als neuer Vorsitzender der Musik- und Theaterfreunde, dass das Theater in der Öffentlichkeit noch mehr wahrgenommen wird.
Wolfgang Weikert möchte als neuer Vorsitzender der Musik- und Theaterfreunde, dass das Theater in der Öffentlichkeit noch mehr wahrgenommen wird. Foto: Matthias Ahlke

Wo stehen die Musik- und Theaterfreunde derzeit?

Weikert : Der Zweck des Vereins ist laut Satzung darauf gerichtet, das Interesse der Bewohner Münsters und des Münsterlandes für das Theater-und Konzertwesen wachzuhalten und weiter zu wecken. Gegenwärtig haben wir 185 Mitglieder. Mit deren Beiträgen und zusätzlich eingeworbenen Spenden versuchen wir, dem Vereinszweck nachzukommen. Ziel muss es daher sein, die Zahl der Mitglieder deutlich zu erhöhen, insbesondere im Segment der Jüngeren.

Wie ist das Theater Münster aufgestellt?

Weikert: Da muss man zum einen an die wirtschaftliche Ausstattung des Hauses denken. Die ist über die bewährte Finanzformel relativ stabil. Das Theater selbst sorgt zudem dafür, dass die noch möglichen Einsparpotenziale genutzt werden. Auf diese Weise können wir uns nach wie vor fünf Sparten leisten. Davon träumen andere Häuser in Nordrhein-Westfalen. Mit einer äußerst kompetenten Theaterleitung, sehr engagierten Spartenleitungen sowie einem durchweg bewundernswerten Ensemble ist ausgesprochen qualitätsvolles Theater in Münster zu erleben.

Was wünschen Sie sich vom Theater?

Weikert: Theater braucht neben dem klassischen Repertoire stets auch einen aktuellen, gesellschaftlich relevanten Ansatz. Nirgendwo kann Gesellschaft so intensiv über sich nachdenken wie im Theater, wo Probleme der Gegenwart benannt werden können, ohne dafür auch gleich Lösungen parat zu haben. So verstanden soll Theater zwar nicht Politik machen, sondern einen kulturpolitischen Auftrag erfüllen. Das darf oder muss hin und wieder auch einmal eine Zumutung für das Publikum sein.

Was liegt Ihnen bei den Theaterfreunden am Herzen?

Weikert: Als Oberzentrum ist die Stadt Münster nicht nur den Münsteranern verpflichtet, sondern auch dem Münsterland . Kleinformatige Auftritte des Theaters in den Umlandgemeinden könnte dort noch mehr Lust auf großes Theater in Münster entfachen. Außerdem muss das Programm für unsere Mitglieder so attraktiv und vielseitig sein, dass Nähe und Verbundenheit stets das Gefühl eines kulturellen Mehrwerts vermitteln.

Wie soll das geschehen?

Weikert: Regelmäßig haben unsere Mitglieder die Möglichkeit, Proben zu besuchen und so die privilegierte Chance, sich mit den Akteuren unmittelbar auszutauschen. Außerdem verleiht die Gesellschaft der Musik-und Theaterfreunde alljährlich Förderpreise in vier Kategorien, die im Rahmen einer feierlichen Verleihung im Großen Haus des Theaters vergeben werden. Wiederbelebt werden sollen die Theaterfahrten zu anderen Bühnen, um stets auch den Blick über Münster hinaus zu schärfen.

Was für Ideen haben Sie für Ihre Zeit als Vorsitzender?

Weikert: Einiges klang ja schon an und könnte sicher noch intensiviert werden. Wichtig für mehr Wahrnehmung in der Öffentlichkeit könnte aber sein, wenn all diejenigen, denen Theater wichtig ist, an einem Strang ziehen würden und das auch organisatorisch zum Ausdruck bringen. Das würde die Durchschlagskraft zum Wohle des großen Ganzen deutlich erhöhen. Darüber hinaus sollten wir uns mehr einmischen in die Kulturpolitik, zum Beispiel in die Frage der Notwendigkeit einer Musikhalle für Münster und die eines entsprechenden Standortes in der Stadt oder in Fragen einer angemessenen Förderung der „Freien Szene“, die für Münster so eminent wichtig ist. Last but not least liegt mir eine Stärkung des Kinder- und Jugendtheaters am Herzen, es ist die Basis für die zukünftige Akzeptanz von Theater bei der jüngeren Generation.

Was finden Sie am Theater heute wichtig?

Weikert: Der Theaterbesuch ist heute keine Frage der gesellschaftlichen Repräsentation. In diesem Sinne muss Theater noch durchlässiger werden. Dafür müssen Theaterräume geöffnet werden, auch außerhalb von Vorstellungen. Schließlich ist Theater extrem authentisch, und es ist live. Nichts ist so lebensfüllend wie das Theater, oder wie Charly Hübner unlängst sagte: „Ohne Theater fällt alles auseinander.“

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