Oenema und „Kolberg + Stern“ im Cuba
Lyrik in multimedialen Märchen-Welten

Münster -

Märchenhafte Atmosphäre und lyrischer Tonfall dominierten den Abend „Imaginations – Audiovisuelle Poesie“ des Poetry-Programms zum Lyrikertreffen.

Mittwoch, 10.05.2017, 19:05 Uhr

Anna Stern und Michael Kolberg 
Anna Stern und Michael Kolberg  Foto: Günter Moseler

Sie saß da wie eine Wahrsagerin, die Besuchern ihre Karten legte: Die niederländische Objektkünstlerin Klaske Oenema sang im Cuba wie verträumt vor sich hin, während hinter ihr entlaubte Bäume und eine leere Parkbank frostige Kälte suggerierten. Das Auge eines Objektivs fixierte Szenen auf einer Leinwand, bevor der Hundekopf von Oenemas Schattenhand alles von der Bildfläche wischte. So war die Künstlerin mit einem Handstreich integrativer Teil eines Bildes, das sie zuvor auf einem Overhead-Projektor als Puzzle ausgelegt hatte. Märchenhafte Atmosphäre und lyrischer Tonfall dominierten den Abend „Imaginations – Audiovisuelle Poesie“ des Poetry-Programms zum Lyrikertreffen.

Es war Millimeterkunst, mit der Oenema nach ihren schmalen Mappen griff, während sie sanft ihre Lieder intonierte und Schnittmuster mit Fingerspitzengefühl auf der Arbeitsfläche platzierte. Plötzlich flog ein kleines Haus über ein offenes Feld, wuchs eine schräge Häuserfront empor oder eine abstrakte Form, die sich permanent verwandelte. Einmal erzählten die Bilder die Geschichte einer abstrakten Form, die sich in eine Serie von qualmenden Schornsteinen verwandelte, deren Rauchfahnen das gegenständliche Panorama wieder in abstraktes Rabenschwarz verhüllten. Im Tonfall konzentrierten sich Oenemas Gedichte auf existenzielle Situationen: „Darling, when you go, you leave my heart to snow“. Musik, Text und Bild blieben ineinander verwoben, im Eislicht der Halogenlampe ermunterte die Künstlerin Nachfragen zu höheren poetischen Weisheiten: „I‘m always available for questions“. Aber die zauberische Intimität ließ alle Wünsche verstummen.

Auch Anna Stern und der Komponist und Gitarrist Michael Kolberg inszenierten Lyrik als multimediale Show. Hier war es ein Aquarium, in das die Sängerin diverse Gegenstände tauchte, die riesenhaft auf der Leinwand erschienen. Eine Brausetablette schien Millionen von Mikroben aufzustöbern, eine Silberfolie schwamm plötzlich als Eisberg vorüber, ein lila Farbklecks wuchs im Wasser zum Octopus, der schlafwandlerisch seine Fangarme ausstreckte. In solchen Momenten die sinnstiftende Beziehung zu Gedichten von Anne Sexton zu ziehen, war angesichts solch’ malerischer Zufälle eine Frage zweifelhafter Fantasie. Allein Stimme, Gestik und Bewegung der Sängerin spiegelten Sextons lyrischen Furor wider im heiklen Schweben zwischen den Welten.

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