Weltklasse-Pianistin Alice Sara Ott im Schoneberg-Konzert
Vom Wunderland ins Schattenreich

Münster -

„Wonderland“ heißt das Evard-Grieg-Programm der Weltklasse-Pianistin. Nein, nein, sagt Alice Sara Ott: Das habe nichts damit zu tun, dass die Alice heißt. Es sei einfach Zufall. Dennoch lässt der fantastische Bilderbogen, den sie aus den „Lyrischen Stücken“ des Romantikers zaubert, natürlich daran denken: „Alice in Wonderland“. Im zweiten Teil aber spielt sie die legendäre h-Moll-Sonate von Liszt. Und führt das Schoneberg-Publikum im H 1 direkt vom Wunderland ins Schattenreich. „In den Hades“, wie Ott den düsteren Brocken nennt. Ein Ausnahmekonzert einer Ausnahmekünstlerin, das bereits zur Pause frenetisch gefeierte wurde. Und am Ende mit Standing Ovations.

Donnerstag, 11.05.2017, 19:05 Uhr

Alice Sara Ott 
Alice Sara Ott  Foto: Jonas Becker

Das Spiel mit Licht und Dunkel zelebrierte die Pianistin auch fürs Auge. Führte sie das Publikum durch Griegs nordisch lichte Welt noch im weißen Kleid, so kam sie nach der Pause schwarz gewandet – und ließ die Lichter im Saal verlöschen, bis auf eins, das sich dämmrig auf die Tasten legte. Das geht nur, wenn man die Stücke auswendig kann – und schärfte atmosphärisch auch die Sinne der Zuhörer. Noch schwärzer und dämonischer wirkte der Liszt-Koloss, noch stiller die Ruhe zwischen den Noten.

Für Alice Sara Ott ist diese Kopplung der zwei gegensätzlichen Romantiker stimmig, ja zwingend. Und wer hört, wie frisch und frei sie die recht bekannten Grieg-Stücke spielt, entdeckt sie förmlich neu. Anfangs ist alles ganz Poesie, ganz Zauber. Perlende Läufe, huschende Hände, Schmetterlings-Flügel auf dem Elfenbein. Ballade, Kobold und Elfentanz. Aber dann! Im „Zug der Zwerge“ explodiert der Volkston mit wilden Tanzrhythmen. „Das war Rock’n’Roll!“, schwärmt ein Kenner in der Pause. Und der fröhliche „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ wird zu einer fast jazzigen Sause. Die g-Moll-Ballade spielt Ott so dämonisch, dass man bereits Liszt wetterleuchten hört.

Und die formal kühne, in düsterer Chromatik wühlende Liszt-Sonate wird danach tatsächlich in Schwärze gebadet. Die Pianistin spielt virtuos donnernde Akkord-Kaskaden, hält das Pedal im Zaum und „erzählt“ die Musik stets mit großer Klarheit. Eine intensives Konzert, das mit einem Ritt durch Griegs „Halle des Bergkönigs“ endet.

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