Theater Titanick zeigt mit „Alice on the Run“ Stück über Flucht und Wohlstandswelt
Ein Kind im Spiel der Dekadenz

Münster -

Flucht und Vertreibung sind die großen Themen der Zeit. Dass sich das Theater Titanick – wie die meisten Theater – dem stellt, ist nicht verwunderlich. Und überrascht doch.

Freitag, 12.05.2017, 20:05 Uhr

Verlockungen ist die kleine Alice ausgesetzt, nachdem sie ihr Heim verlassen musste und auf der Flucht ist. Fast Food gehört auch dazu, wie das neuste Straßentheater-Spektakel von „Titanick“ auf dem Hafenplatz zeigt.
Verlockungen ist die kleine Alice ausgesetzt, nachdem sie ihr Heim verlassen musste und auf der Flucht ist. Fast Food gehört auch dazu, wie das neuste Straßentheater-Spektakel von „Titanick“ auf dem Hafenplatz zeigt. Foto: Matthias Ahlke

Flucht und Vertreibung sind die großen Themen der Zeit. Dass sich das Theater Titanick – wie die meisten Theater – dem stellt, ist nicht verwunderlich. Und überrascht doch. Wie kann sich Flüchtlingsnot in die quirlige pantomimische Ästhetik dieser Open-Air-Truppe fügen, die mit riesigem Technik-Aufwand ein Spektakel nach dem anderen auf die Straße bringt? Wer Titanick-Stücke kennt, machte sich gespannt auf zum Hafenplatz.

Alice on the Run - die neue Open-Air-Inszenierung des Theaters Titanick am Hafenplatz

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„Alice on the Run“ heißt der aktuelle Streich, der am Donnerstag bei Einbruch der Dunkelheit Premiere feierte – und mit gewohnter Begeisterung aufgenommen wurde. Titanick nimmt sich Lewis Carrolls berühmte Geschichte „Alice in Wonderland“ und verwandelt die bizarre Reise der kleinen Heldin in eine teils düstere und ebenfalls bizarre Odyssee. Offiziell ist die Lesart des Stoffes politisch. Tatsächlich aber fügt das Fluchtthema diesem zauberisch-poetischen Cocktail nur eine Prise Bitterstoffe hinzu. Und das ist auch gut so – am Ende ging die Rechnung auf.

Wenn Alice in ihrer Badewanne über den Köpfen der Zuschauer wie Treibgut schwimmt, ist sie weniger Flüchtling als ein mädchenhafter Odysseus, der von einem magischen Eiland zum nächsten gespült wird. Jede „Insel“ auf dieser Reise birgt neue Prüfungen, neue Gefahren. Es gibt die Stationen der Dekadenz, der Völlerei, des Lasters und auch des bürokratischen Wahnsinns. Und was sie spiegeln, sind nicht ferne Länder im Bombenhagel, sondern meist wir selbst.

Anfangs sitzt Alice mit riesiger Schleife im Haar ganz drollig daheim. Bis ein Räumungsbefehl ergeht und Gabelstapler ihr buchstäblich das Haus unterm Hintern wegziehen. Nun treibt sie weinend in ihrer Badewanne übers Meer, und die Wanne „weint“ Wasser auf das grinsende Publikum. Mitten zwischen den Zuschauern werden die Bauten, Häuser und Boote hindurchbugsiert. Die Szenerie ist immer in Bewegung, untermalt von einem Musik- und Geräusche-Soundtrack, dessen Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann.

Sie stößt auf eine Insel des Luxus, wo mit Flamingos Golf gespielt wird. An anderer Stelle krakeelen die Bürokraten in Vogelmasken. Und im lasterhaften „ Moulin Rouge “ wird Alice’s Freund, der Hase, per Leuchtreklame zu einer Art Playboy-Bunny. Und die riesige Schampus-Flasche spuckt Schaum-Fontänen.

Und immer ziehen eine rote und eine weiße „Königin“ im Hintergrund die Fäden. Sie lassen Alice und den Hasen in einem starken Finale gegeneinander Schach spielen. Das wirkt: Beide sind Akteure und doch nur Figuren auf dem Schachbrett der Macht. Wenn die Schachfiguren plötzlich Gewehrfeuer speien und am Hafenplatz die Flammen explodieren, dann streift plötzlich eine Hitzewoge die Wangen des Publikums. Und für eine Sekunde reißen in dieser clownesquen Szenerie die Schützengräben auf.

Zum Thema

Weitere Vorstellungen am 13., 16., 17., 18., 19. und 20. Mai. Karten gibt es im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt oder online. Für Kinder bis zum Alter von zehn Jahren freier Eintritt.  | titanick-alice.de

Leservorteil

Bei Abgabe des ausgefüllten Vorteil-Coupons im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt in Münster erhalten WN-Leser ein kostenloses Veranstaltungsplakat im Format DIN A3 (nur so lange der Vorrat reicht!).

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