Matthias Brandt liest „Psycho“ in Münster
Das Grauen braucht nur wenige Worte

Münster -

Keine Dusche, kein Messer und kein Blut. Für das blanke Entsetzen braucht es keine Requisiten, es breitet sich dennoch im Kopf aus. Ausgelöst von Matthias Brandt und Jens Thomas. Der Schauspiel-Star und der Pianist benötigen wenige Takte und Sätze, um das Publikum im Stadttheater von beklemmendem Grausen zu umgreifen. Beim Gastspiel „Psycho“ interpretierten sie Hitchcocks gleichnamiges cineastisches Jahrhundertwerk. 

Sonntag, 14.05.2017, 14:05 Uhr

Matthias Brandt im Theater Münster  
Matthias Brandt im Theater Münster   Foto: Dietrich Harhues

Dessen Plot und filmische Umsetzung von 1960 gilt unangefochten als Archetyp für das Horror-Handwerk. Darauf verstehen sich auch Brandt und Thomas , deren Wort-Musik-Klang-Collage am Freitag im ausverkauften Großen Haus mit frenetischem Applaus und stehenden Ovationen belohnt wird.

Etwas erschöpft und bescheiden den Jubel entgegennehmend, beendet das Duo den langen Theaterabend. Keine leichte Kost und keine leichte Aufgabe: Brandt schlüpft in die Rolle von Norman Bates, dem verklemmten, mörderischen Muttersöhnchen. Dessen düstere Seele entblättert er durch die Schilderung der drastischen Handlung, die Attacke auf die junge Marion Crane im Motel-Zimmer, und durch die inneren Monologe mit seiner Mutter.

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Foto: Dietrich Harhues

Auch ihr verleiht Brandt meisterlich eine durchdringende, leicht schrille Stimme. Bei all dem schrammt der Darsteller wohl an den Grenzen seines Genres entlang. Er, der Schauspieler, ist zum Vortragen vergattert. Doch intensive Gestik, Klopfen, Zittern, Trommeln sowie Präzision und Dynamik in Lautstärke und Modulation der Stimme lassen den Schauspieler Brandt immer wieder hervorbrechen. Die Übergänge sind fließend: Der Rezitator führt sich fahrig das eigene Wasserglas zum Mund. Brandt benetzt dabei sein Hemd und zetert gleichsam wie Norman Bates, der sich beim Whisky-Suff bekleckert hat.

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Eben dies dürfte wesentlich die Begeisterung ausgelöst und die Theatergäste mit auf die Grusel-Reise mitgenommen haben. Das Publikum erlebte eine Aufführung die Lesung, Kopfkino und Konzert verbindet. Erheblichen Anteil daran hatte Jens Thomas. Er spielte nicht nur die Tasten, sondern auch die Saiten im Korpus. Welch‘ eine Mischung: Horror von Hitchcock und Rock von AC/DC. Beides Klassiker in einem ganz neuen Gewand.

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