Konzert der Einklang-Philharmonie in der Feuerwache
Martinshorn und Posaunenklang

Münster -

Wer ein sinfonisches Konzert in einer Feuerwehrhalle zelebriert, lässt sich auch durch plötzliches Tatü-Tata nicht aus der Ruhe bringen.

Montag, 15.05.2017, 21:05 Uhr

Joachim Harder leitete das Konzert mit dem Soloposaunisten Jeffrey Kant – dafür gab´s stehende Ovationen.
Joachim Harder leitete das Konzert mit dem Soloposaunisten Jeffrey Kant – dafür gab´s stehende Ovationen. Foto: Arndt Zinkant

Wer ein sinfonisches Konzert in einer Feuerwehrhalle zelebriert, lässt sich auch durch plötzliches Tatü-Tata nicht aus der Ruhe bringen. War der Brandeinsatz am Sonntagabend quasi schon eingepreist, als Joachim Harder und seine famose Einklang-Philharmonie in Feuerwache 2 aufspielten? Wie auch immer: Weder das Orchester noch der grandiose Posaunist Jeffrey Kant kamen aus dem Takt. Geschmettert wurde bei dem Posaunen-Stück natürlich ebenfalls. Und wie lautete der Titel jenes Finalsatzes, der Martinshorn und Posaunenklang in dissonanter Eintracht zusammenfügte? „Wings on Fire“!

Harder und sein jung besetztes Ensemble bespielen öfters ungewohnte Säle, die geeignet sind, auch Klassik-Novizen anzulocken. Aber keine Orte, die schlecht klingen. Auch die Feuerwache nahe dem Gasometer kann sich hören lassen. Da konnte Chabriers „Suite Pastorale“ ebenso sinnlich vibrieren, wie Beethovens Achte mit kernigem Drive über die Rampe kam. Absoluter Höhepunkt aber war das sechssätzige Stück „Golden Eagle“ mit Solo-Posaune.

Erst vor drei Jahren von dem heute 59-jährigen Christian Lindberg komponiert, trat es laut Programm einen Triumphzug durch die Klassikwelt an. Wie’s der Titel verspricht, setzt die Posaune gleich einem „goldenen Adler“ zu Höhenflügen an. Es gibt Filmmusik-affine Heroik, subtile impressionistische Klänge, alles recht amerikanisch im Sound. Und ein Spitzenkönner wie Jeffrey Kant kann sich hier austoben.

Das tat der 24-jährige Musiker – seit Kurzem Soloposaunist des WDR-Sinfonieorchesters – mit Wucht und Wonne. Es gab wilde Staccati und süffige Glissandi, die auch mal in tiefstes Bärengebrumm hinabglitten. Standing Ovations!

Am Anfang des Konzerts hatte die Suite pastorale von Emmanuel Chabrier (1841-1894) gezeigt, wie subtil das Orchester mit impressionistischen Stimmungen zu spielen versteht. Und die finale Achte von Beethoven zeigte nach der Pause nochmals alle Vorzüge der Einklang-Philharmonie, von der kleinen Besetzung bis zum frischen Zugriff. Sehr schwungvolle Tempi schlug Joachim Harder an – ohne indes in jenen gehetzten Beethoven-Stil zu verfallen, der sich mittlerweile eingeschliffen hat. Die achte Sinfonie war übrigens ein programmatisches Augenzwinkern. Im Menuett nämlich habe der Titan bereits das moderne Martinshorn musikalisch vorweggenommen. Tatü-Tata!

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