Theater Münster
Gastspiele externer Veranstalter: Wer darf noch auf die Bühne?

Münster -

Münster hat keinen eigenen Konzertsaal, das ist bekannt. Und deshalb stellt sich die Situation für Freunde klassischer Musik so dar, dass Opern und Sinfoniekonzerte im Großen Haus des Theaters stattfinden, hochkarätige Kammerkonzerte hingegen im größten Hörsaal der Uni, besser bekannt als H1. Dass es sich bei den Theaterterminen um öffentlich subventionierte Veranstaltungen handelt, bei den Meisterkonzerten im H1 um private, vom Konzertbüro Schoneberg organisierte Auftritte, ist für die Konsumenten eigentlich zweitrangig.

Mittwoch, 17.05.2017, 06:05 Uhr

Das Große Haus des Theaters Münster bietet ebenso wie das Kleine Haus ein interessantes Umfeld auch für private Kulturveranstalter.
Das Große Haus des Theaters Münster bietet ebenso wie das Kleine Haus ein interessantes Umfeld auch für private Kulturveranstalter. Foto: Oliver Werner

Nicht jedoch für die Veranstalter. Denn das Theater mit seiner personellen, räumlichen und technischen Ausstattung ist auch für private Veranstalter ein wünschenswerter Ort. Hans Dieter Weverinck, der vorwiegend im Kleinen Haus Lesungen mit bekannten Schauspielern veranstaltet, bestätigt das gern. Aber: Das Theater muss seine eigenen Termine organisieren und dabei die Bedürfnisse der einzelnen Sparten sowie der Abonnenten berücksichtigen – das schränkt ein. Und es darf nicht als Vermieter auftreten.

In der Sitzung des münsterschen Rates am Mittwoch wird es nach einem Änderungsantrag der Fraktionen CDU und GAL genau um diesen Sachverhalt gehen. „Das Theater Münster wird ab der Spielzeit 2018/19 die Anzahl der Termine für Gastspiele und -konzerte auf bis zu 80 erhöhen. Dadurch kann das Angebot für externe Veranstalter im Theater Münster ausgeweitet werden“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Gefahr von Wettbewerbsverzerrung

Dabei geht es auch um acht Termine, mit denen das Konzertbüro Schoneberg gern im Großen Haus gastieren würde – darüber hatte der Kulturausschuss bereits beraten, die Verwaltung hatte die Gefahr von Wettbewerbsverzerrung nach EU-Recht angeführt. Bislang, so erklärt Generalintendant Dr. Ulrich Peters im Gespräch mit unserer Zeitung, gebe es etwa 60 Gastspiele im Jahr, darunter sind freie Anbieter, die Tanzszene oder „Storno“-Auftritte.

„Mehr zu schaffen ist sehr schwierig, aber nicht unmöglich“, sagt er. Und da es sich um Veranstaltungen handelt, an denen das Theater nichts verdienen darf, legt Peters Wert darauf, dass die eigenen Veranstaltungen seines Hauses nicht beeinträchtigt werden, „denn die Einnahmen sind deutlich höher, wenn wir das Haus selber bespielen“. Deshalb schlägt das Theater etwa für Lesungen Termine vor, die von Spielbetrieb und Proben frei sind.

Stadt soll Abhilfe schaffen

Konzertveranstalter Till Schoneberg zeigt sich höchst erfreut darüber, dass der Rat sich dieses Themas annimmt. „Es sollte gleiches Recht für alle gelten“, sagt er im Hinblick auf andere Termine, die das Theater nicht selbst veranstaltet. Und macht kein Geheimnis daraus, dass es bei der Frage H1 oder Großes Haus um mehr als um Platzkapazitäten geht.

„Uns wäre sehr damit geholfen, denn das Theater bietet ein gutes Umfeld. Dorthin kommen die Leute gern. Es geht darum, dass die Besucher der Meisterkonzerte ein anderes Niveau erwarten, als wir es im H1 bieten können.“ Hier sei die Stadt gefordert, Abhilfe zu schaffen. Und so lange es keinen Konzertsaal gebe, sei das Theater die beste Möglichkeit.

Konzerthäuser im Münsterland und in der unmittelbaren Umgebung

Angesichts der Elbphilharmonie, über deren Akustik Franz Xaver Ohnesorg ein paar dezent kritische Anmerkungen machte, ist das Thema Konzertsäle wieder in aller Munde. Eines der gelungensten Beispiele der letzten Zeit ist das Musikforum in Bochum mit dem wohlklingenden Saal für die dortigen Symphoniker.

Es ist vom Münsterland aus gut erreichbar und liegt etwa in der Mitte zwischen den größeren Sälen in Dortmund und Essen, die neben den Auftritten ihrer städtischen Orchester viele Gastkonzerte anbieten.

Das Münsterland hat mit den Sälen in Coesfeld und Steinfurt ebenfalls zwei Häuser aufzubieten, deren Programme vorwiegend von tourenden Künstlern gestaltet werden. Beide haben ihre besonderen Qualitäten: Das „Konzert Theater Coesfeld“ besticht durch seine variable Raumgestaltung, die Bagno-Konzertgalerie ist als ältester frei stehender Konzertsaal Europas vor allem für barocke Klänge und Kammermusik ideal.

Die jüngst eröffneten Säle in Berlin, Dresden und Paris sind Beispiele für die Umgestaltung älterer Gebäude zu anspruchsvollen Konzertsälen.

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