Galerie Steinrötter zeigt Bittersüßes von Carsten Weitzmann
Trojanische Bilder

Münster -

Carsten Weitzmann macht sich viele Bilder und überprüft sie immer wieder. So erscheinen seine Menschenbilder in vielschichtigen Situationen, die nie in einem endgültigen Letzten enden. Claus Steinrötter zeigt in Petersburger Hängung dessen 365 bittersüße Zeichnungen und Ölbilder unter dem Titel „Carpe diem“.

Mittwoch, 21.06.2017, 10:06 Uhr

Jeden Tag ein Bild hat Carsten Weitzmann gezeichnet. Claus Steinrötter zeigt sie.
Jeden Tag ein Bild hat Carsten Weitzmann gezeichnet. Claus Steinrötter zeigt sie. Foto: Steinrötter

„Du sollst dir kein Bild machen“, heißt es im Alten Testament. Das bedeutet aber lediglich, dass das Bild von einem Menschen nicht ein endgültiges Urteil sein sollte. Man sollte es immer hinterfragen, ob es noch in dieser Form berechtigt ist. Carsten Weitzmann macht sich viele Bilder und überprüft sie immer wieder. So erscheinen seine Menschenbilder in vielschichtigen Situationen, die nie in einem endgültigen Letzten enden. Claus Steinrötter zeigt in Petersburger Hängung dessen 365 bittersüße Zeichnungen und Ölbilder unter dem Titel „Carpe diem“.

Die Zeichnungen sind zwischen dem 1. Mai 2016 und dem 30. April 2017 entstanden. Ein Jahr lang hat der Künstler aus Erfurt jeden Tag eine einzelne Zeichnung angefertigt. Der Künstler hatte sich auferlegt, jeden Morgen für maximal zwei Stunden spontan einer Bild-Idee zu folgen, nach Möglichkeit „ohne zu denken“. Keine Pause.

Die Addition der Darstellungen mündet in der Feststellung, dass das Ende der Deutungsmöglichkeiten nicht abzusehen ist. Obwohl es keine formalen Abbilder, sondern Innererlebnisse sind, lässt sich ein alles verbindendes Ganzes nicht erkennen, heißt es in einer Pressemitteilung. Wie bei Schneeflocken sind die Facetten ungleich. Gewiss ist nur: Wir sind eine Spezies aus einer Wundertüte, die die Überraschung verbindet.

Bei aller Unterschiedlichkeit ist doch die Handschrift Weitzmanns erkennbar. Er hat eine Zeichensprache mit einer eigenwilligen Vergangenheitsattitüde, die eine lexikalische Anwehung hat, die Meyers Lexikon entstammen konnte. Die wahnwitzigen surrealen Umsetzungen zweifeln das natürlich an und pervertieren die Bildnisse in ihrer Aussage.

Es werden nur scheinbar Erkenntnisse in Versuchsanordnungen montiert, die aber keine Lösungen der Probleme darstellen, sondern selbst wieder Fragen sind. Es ist ein Jahreskodex, den Weitzmann verschlüsselt und den Betrachter in seinem Dilemma belässt, mit der Forderung den „homo ludens“ um Hilfe zu bitten, damit losgelöst eine eigene Wirklichkeit entsteht.

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Die Ausstellung ist in der Galerie Steinrötter, Rothenburg 16 (Deilmannhof), zu sehen: Öffnungszeiten montags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags von 19 bis 14 Uhr.

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