Fünf Künstler musizierten beim jüngsten Rathauskonzert
Von rasant bis elegisch

Münster -

Charles Auguste de Bériot muss ein verflixt guter Geiger gewesen sein, sonst hätte er wohl kaum dieses rasante „Duo Concertant“ komponiert. Midori Goto und Adrian Kowollik präsentierten es am Donnerstag im Rathausfestsaal. Wer die Augen schloss, gewann den Eindruck, hier spielten gleich vier Streicher. Von wegen! Zwei Bögen und zehn Finger mussten ausreichen, um gerade in den motorisch angeheizten Passagen ein wahres Klang-Feuerwerk zu entfachen. Eines allerdings, das mit akribischer Präzision getaktet sein wollte. Goto und Kowollik machten ihre Sache gut und lieferten eine luftig-beschwingte und in wechselvollen Stimmungen schwelgende Musik.

Freitag, 23.06.2017, 17:06 Uhr

Zufrieden nach dem Konzert: die Pianistin Hiroko Ishigame, die Geigerin Sophie Hultsch und Cellist Giedrius Zukauskas (von links).
Zufrieden nach dem Konzert: die Pianistin Hiroko Ishigame, die Geigerin Sophie Hultsch und Cellist Giedrius Zukauskas (von links). Foto: cws

Hin- und hergerissen zwischen elegischem Gesang und geradezu unbekümmertem Frohsinn zeigte sich auch Franz Schuberts „Arpeggione-Sonate“. Ähnlich wie de Bériots Violin-Duo vermittelt sie im ersten Moment spielerische Leichtigkeit. Leicht zu spielen ist sie deshalb noch lange nicht. Umso schöner, dass Giedrius Zukauskas auf dem Violoncello die interpretatorisch zu umschiffenden Klippen des Werks seinem Publikum nirgends spürbar werden ließ. Zukauskas, derzeit noch im Probejahr am Pult des Vorspielers der Cello-Gruppe im Sinfonieorchester Münster, glänzte bei seinem Rathaus-Debut mit einem schönen, warmen und wandlungsfähigen Ton. Dynamische Entwicklungen und agogische Nuancen waren mit der ausgezeichneten Pianistin Hiroko Ishigame fein abgestimmt und wirkten immer sehr organisch. Etwas mehr Biss und Mut zum klanglichen Risiko, sprich: zu Ruppigkeit und – ja, in diesem Fall darf man es so sagen – Rampensau-Mentalität eines Cello-Solisten darf Zukauskas aber gern noch auflegen. Schubert hätte sicher nichts dagegen. Schumann in seinem Klaviertrio d-Moll op. 63 auch nicht. Denn hier bündeln sich facettenreiche Emotionen zwischen „inniger Empfindung“ und „mit Feuer“ – so Schumanns Satzbezeichnungen. Geigerin Sophie Hultsch übernahm souverän die Führung einer Interpretation, die zwar manch kompositorische Länge erfahrbar machte, aber auch ganz viele Klangoffenbarungen bereit hielt wie die geradezu verliebte Zwiesprache mit dem Cello im langsamen Satz. Großer Beifall im Rathaus und eine Schostakowitsch-Zugabe.

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