Geiger Stephan Waarts als Solist beim „JuSi“-Konzert
Es geht ihm allein um Brahms

Münster -

Ach, diese Musikkritiker! Diese „Experten“, die mit nichts zufrieden sind. Mitunter liegen die Vertreter der schreibenden Zunft mit ihrer Meinung aber gehörig daneben – wie das Semesterabschlusskonzert des Jungen Sinfonieorchesters am Dienstag klangprächtig demonstrierte. Mit Antonín Dvořáks achter Sinfonie und dem Violinkonzert von Johannes Brahms standen zwei Brocken auf dem Programm, die bei ihrer Uraufführung bei den Kritikern „durchgefallen“ waren. Und heute? Gehören beide Werke zum Kernrepertoire der romantischen Orchesterliteratur, als hätte es so etwas wie ein Naserümpfen nie gegeben.

Donnerstag, 06.07.2017, 17:07 Uhr

Stephan Waarts wurde nach dem Semesterkonzert mit viel Applaus für sein Spiel bedacht.
Stephan Waarts wurde nach dem Semesterkonzert mit viel Applaus für sein Spiel bedacht. Foto: cws

Dirigent Bastian Heymel und die JuSis unterstrichen mit ihrer Aufführung in der Aasee-Aula die Qualität dieser Musik, vertrauten zudem den Solo-Part des Violinkonzerts von Brahms einem fantastischen jungen Solisten an, der das frappierend Neue, Ungewohnte darin ungeschminkt erfahrbar werden ließ: Stephen Waarts, in Kalifornien geboren und dort aufgewachsen, ein junger Mann von 21 Jahren. Einer, der kein Risiko scheut, der richtig drauflos spielt und die spieltechnischen Hürden mit Grandezza überspringt. Von diesem Geiger wird man garantiert in Zukunft noch viel hören.

Ganz ohne Allüren geht es ihm um nichts als Brahms, der durchaus mal ruppig komponiert. Oder elegisch schön. Oder so, dass die Solo-Geige eigentlich gar nicht solo ist, aber dennoch etwas zu sagen hat. Stephen Waarts entfaltet darüber hinaus einen kräftigen, runden und nirgends scharfen Geigenton, unfehlbar im Hinblick auf die Intonation. Einfach toll.

Toll waren aber auch die JuSis – in Brahms und in Dvořáks Achter, die Bastian Heymel in wunderbaren Farben und mit wechselnden atmosphärischen Stimmungen leuchten ließ: melancholisch mit tiefen Streichern, unbetrübt dank ausgezeichneter Flöten, Klarinetten, Oboen und Fagotte, knackig mit präsentem Blech.

Allenfalls noch zu optimieren: die rhythmische Präzision der hohen Streicher dort, wo sie in wieselflinkem Tempo über die Saiten huschen. Aber womöglich ist diese Kritikerschelte bei der Wiederholung des Konzertes am heutigen Donnerstag schon gar nicht mehr nötig.

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Das Programm wird heute um 20 Uhr in der Aula am Aasee noch einmal zu hören sein. Eintritt frei – Spenden erbeten

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