Der Sound der guten alten „Birne“
Nicht eine Lampe knallte durch

Münster -

Freundlich lächelnd steht ein älterer Herr hinter einem blauen Küchentisch voller Glühlampen. Schnurschalter, Fassungen, Kabel, Wollhandschuhe (denn die alten Leuchtmittel entwickeln bekanntlich eine Menge Wärme) und ein Mischpult liegen ebenfalls auf dem Tisch. Die Glühlampen produzieren die Klänge des Abends. Die Glühfäden in den Lampen erwärmen sich durch den Stromfluss beim Einschalten und Ausschalten und erzeugen Geräusche, die Michael Vorfeld mit kleinen Kontaktmikrophonen verstärkt.

Sonntag, 06.08.2017, 17:08 Uhr

Michael Vorfeld lässt die guten alten Glühbirnen hingebungsvoll knattern.
Michael Vorfeld lässt die guten alten Glühbirnen hingebungsvoll knattern. Foto: Heike Eickhoff

„Klick-klick“ und „Pling“ tönt es aus dem Lautsprecher. Dazu spielt Vorfeld mit dem Grundrauschen der selbst gebastelten elektrischen Anlage, das er mit den Klängen der Glühwendeln kombiniert. Die Glühlampen, zuerst nur wenige, dann eine ganze Menge, machen dazu sozusagen die Show auf der Bühne (oder besser: dem Tisch). Das Licht geht an und aus oder flackert, ganz so, wie Vorfeld sie schaltet.

Seine Musik sei improvisiert, schmunzelt er. „Aber ich übe viel!“, gibt er zu. Ob es nicht bewusst ein wenig anachronistisch sei, heute mit Glühlampen, die längst überall moderneren Leuchtmitteln Platz gemacht haben, eine audiovisuelle Performance zu gestalten? „Klavier spielen ist auch anachronistisch, und schreiben, und Zeitung machen!“ antwortete er temperamentvoll.

Viele kleinere Abschnitte, die immer durch Crescendi und Diminuendi zu Beginn und Ende gekennzeichnet waren, machten die dreiviertelstündige Performance aus. Jeder Teil begann also leise, wurde lauter und verebbte. Die Glühlampen funktionierten brav, keine einzige knallte durch, keine Wendel gab auf. Vorfeld, ansonsten experimentell mit Schlagzeug und selbst gebauten Saiteninstrumenten unterwegs, beschäftigt sich seit vielen Jahren auch mit „Glühlampenmusik“ und nutzt dazu die bekannten Leuchtmittel aus dem ehemaligen Haushaltsbedarf. Auch für das Kunstprojekt „Savvy“ der diesjährigen Documenta verschaltete Vorfeld 45 Minuten lang Glühlampen im Radio.

Am Ende erhielt Vorfeld, sichtlich erschöpft, aber fröhlich, eine Menge Beifall.

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